Der Weg des TVB von der Landesliga in die Bundesliga, Teil 3

Die Saison 1999/2000 (Oberliga) – TVB verpasst Qualifikation für BW-Oberliga knapp

Vor 25 Jahren war an Profi-Handball im Rems-Murr-Kreis nicht zu denken gewesen. Nun steht der TV Bittenfeld, der seit der Saison 2015/16 unter dem Namen TVB Stuttgart spielt, vor seiner sechsten Saison in der ersten Bundesliga. In einer Serie erinnern wir an den Aufstieg von der Verbandsliga in die Elite-Liga.

Der 9. Mai 1999 ist ein bedeutendes Datum in der Geschichte der Bittenfelder. Im zweiten Entscheidungsspiel der beiden Verbandsligazweiten um den Aufstieg in die Oberliga setzt sich der TVB mit 24:22 bei der SG Schorndorf durch. Im Hinspiel hat es nur ein 16:16-Unentschieden gegeben.

Ein bisschen mulmig ist den Verantwortlichen vor der Saison 1999/2000. „Wir setzen weiter auf die Jugend“, sagt der Trainer Günter Schweikardt. „Aber das ist natürlich ein Spiel mit dem Feuer.“ Zumal der Kader eher schwächer ist: Mit Manuel Mühlpointner verliert der TVB einen wichtigen Spieler an den Regionalligisten TV Oppenweiler. Torhüter Michael Schwaderer zieht sich zu den Jungsenioren zurück, für ihn kommt Götz Kemner, den es berufsbedingt aus Freiburg in die Region Stuttgart verschlägt. Die restlichen Neuzugänge werden – wie üblich – aus den eigenen Reihen rekrutiert: Tobias Lämmle, Alexander Ernst und Mario Hoppe. Ungewiss ist die Zukunft von Kapitän Henning Fröschle, der nach wie vor mit Knieproblemen zu kämpfen hat. Schweikardt sieht eine wegweisende Saison auf den TVB zukommen. „Wir müssen weiter höherklassig spielen, sonst schauen sich unsere Talente nach anderen Vereinen um“, sagt Schweikardt – und bekräftigt seinen alten Grundsatz: „Bundesliga oder TV Bittenfeld – dazwischen sollte es für die Spieler nichts geben.“

Vor einer speziellen Herausforderung steht der TVB nicht nur, weil er in der anspruchsvollen Oberliga angekommen ist: Es steht eine Strukturreform an. Von der Saison 2000/2001 an wird die Baden-Württemberg-Oberliga eingeführt. Die Regionalliga wird eingleisig. Wer sich von den drei Landesverbänden Württemberg, Baden und Südbaden nicht für sie qualifiziert, landet in der BW-Oberliga. 16 Teams stark wird die neue Liga sein, bis zu sechs Teams aus der Oberliga kämpfen um den Aufstieg.

Mit folgendem Kader startet der TVB in die Saison: Oliver Gnann, Götz Kemner, Ahmet Cizmezioglu (alle Tor), Jürgen Schweikardt, Henning Fröschle, Helge Fröschle, Mario Hoppe, Stephan Thulmann, Patrick Rothe, Kai Gendig, Wolf Jung, Roland Wissmann, Alexander Ernst, Jens Bürkle, Tobias Lämmle, Henning Gschwandtner, Thorsten Reichle, Jens Kern.

Henning Fröschle feiert nach neun Monaten sein Comeback

Der TVB möchte ein Wörtchen mitreden in der Zwölfer-Oberliga-Staffel. Er erwischt mit 8:2 Punkten einen glänzenden Saisonstart und lässt sich auch von der 18:24-Auftaktniederlage gegen den TSV Heiningen nicht beeindrucken. Am fünften Spieltag feiert der mexikanische Neuzugang und Nationalspieler Angel Rojas sein Debüt.

Mit vier Niederlagen in Folge verliert der TVB den Anschluss an die Spitzengruppe. Dennoch gibt’s eine positive Nachricht: Henning Fröschle feiert nach neunmonatiger Verletzungspause sein Comeback. Im emotionsgeladenen Stadt-Derby vor 600 Fans in der Rundsporthalle unterliegen die Bittenfelder knapp mit 22:23. Elf Tore gelingen Jens Bürkle, der eine starke Saison spielt, beim 33:23-Sieg gegen den TSV Dettingen. Es ist allerdings sein letztes Saisonspiel: Der Kreisläufer muss nach einem Kreuzbandriss operiert werden.

Mit der 24:27-Niederlagen beim TSV Altensteig müssen die Bittenfelder ihre Hoffnungen auf die direkte Qualifikation zur Baden-Württemberg-Oberliga begraben. Im Rückspiel gegen den VfL Waiblingen dreht der TVB vor 700 Zuschauern in der Gemeindehalle den 11:17-Rückstand zum 21:20-Sieg und versetzt dem Stadt-Rivalen im Kampf um die Meisterschaft einen Dämpfer. Für den VfL kommt’s damit am letzten Spieltag gegen den neuen Tabellenführer HSG Albstadt zu einem Endspiel. Mit sechs Toren muss Waiblingen gewinnen, um in die Regionalliga aufzusteigen – und schafft dies tatsächlich beim 23:17.

Der TVB dagegen verpasst durch die 23:25-Niederlage in Scharnhausen den Relegationsplatz zur BW-Oberliga. „Die Relegationsspiele wären das Happy End gewesen“, sagt Günter Schweikardt. So landet sein Team mit 20:24 Punkten auf Rang acht, zwei Zähler fehlen in der Endabrechnung.

Auf dem Großfeld feiert der TVB die Württembergische Vizemeisterschaft. Bei der 17:21-Finalniederlage zieht sich der Trainer Günter Schweikardt in der zweiten Halbzeit selbst das Trikot über – mit 51 Jahren. Schweikardts Sohn Jürgen, der sich mit erst 19 Jahren in den Vordergrund spielt, hält dem TVB trotz einiger Angebote von höherklassigen Clubs die Treue. „Ich denke, die zweite Liga würde ich jetzt noch nicht packen“, sagt er. Zudem habe er mal versprochen, zwei Jahre in der Aktivenmannschaft des TVB zu spielen. Was nach der Saison komme, wisse er nicht. „Aber natürlich bleibt es ein Traum von mir, irgendwann mal höherklassig zu spielen.“

Erinnerungen

Jürgen Schweikardt spielte mit 19 Jahren seine dritte Saison in der ersten Mannschaft des TV Bittenfeld. „Damals war es für uns junge Spieler deutlich einfacher, den Sprung zu den Aktiven zu schaffen. Da ging’s statt in die erste nur in die fünfte Liga. Dass es härter zur Sache geht, hat man schnell gemerkt. Da gab’s schon die eine oder andere Situation, bei der man froh war, dass die ohne mich erledigt worden ist. Geträumt hatte ich damals von der ersten Liga, mein Ziel war die zweite Liga. Nachdem ich später von Kornwestheim wegging, war klar, dass ich meinem Heimatverein – trotz anderer Angebote aus der Regionalliga – treu bleiben werde. Ich habe sozusagen den Grundsatz ‘Bittenfeld oder Bundesliga’ gelebt.“

Quelle: ZVW / Thomas Wagner

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