„Wir befinden uns im Modus des Abwartens“

Jürgen Schweikardt, Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart, plädiert im Notfall für Geisterspiele im September.

Die Fußball-Bundesliga spielt wieder, die Handball-Profis dagegen befinden sich nach dem Saisonabbruch weiterhin im Stand-by-Modus. Wann und unter welchen Rahmenbedingungen die neue Saison starten wird, steht noch in den Sternen. „Wir befinden uns derzeit im Modus des Abwartens“, sagt Jürgen Schweikardt, Trainer und Geschäftsführer des TVB Stuttgart.

Während sich die Stuttgarter Spieler nach wie vor in Kurzarbeit befinden, werden hinter den Kulissen diverse Szenarien durchgespielt. So haben die Trainer der Handball-Bundesliga (HBL) nach einer gemeinsamen Videokonferenz eine eigene Kommission gebildet, der unter anderem Frank Carstens vom TSV GWD Minden angehört. „Wir wollen uns an verschiedenen Stellen einbringen“, sagte der Trainer in einem Interview mit dem Mindener Tageblatt. Beispielsweise bei der Gestaltung des Spielplans. Es sei „zwingend notwendig“, dass hier auch Trainer und damit Sportfachleute ihre Meinung und ihr Wissen beisteuerten.

Jürgen Schweikardt ist beim TVB Stuttgart als Trainer und Geschäftsführer sowohl für den sportlichen als auch den kaufmännischen Bereich zuständig. Weshalb er auch in Corona-Zeiten einiges zu tun hat – meist indes geschieht dies eher im Hintergrund. „Die Handball-Bundesliga hat noch keine Entscheidung getroffen, wann und wie es weitergehen soll“, sagt Schweikardt. Das könne auch noch ein paar Wochen dauern. „Ich denke, man wartet ab, wie’s im Fußball und Basketball jetzt läuft, wie sich die Lockerungen auswirken und wie die politischen Entscheidungen ausfallen.“

Spätestens Ende Juni wünscht sich Schweikardt Klarheit. Am 6. Juli möchten die Stuttgarter mit der Saisonvorbereitung starten, auch das Trainingslager in Österreich ist terminiert. Im September würden die Bundesligisten gerne in die Saison starten. Kürzlich machte sich Bob Hanning, DHB-Vizepräsident und Geschäftsführer der Füchse Berlin, für Geisterspiele stark. Er sei auf alle Fälle dafür, sagte Hanning gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings nur für einen überschaubaren Zeitraum. „Wir müssen wieder in die Öffentlichkeit.“ Als nach dem Stopp der Saison zur Debatte gestanden hatte, die Runde – analog zum Fußball – ohne Zuschauer zu Ende zu spielen, waren die Verantwortlichen davon nicht begeistert. Auch, weil die Handballclubs viel mehr als die Fußballer auf die Zuschauereinnahmen angewiesen sind.

„Ich sehe das ähnlich wie Bob Hanning“, sagt Schweikardt. „Wir dürfen nicht zu lange von der Bildfläche verschwinden, außerdem brauchen die Spieler irgendwann mal wieder einen Wettkampf.“ Und die Vereine sollten alsbald wissen, unter welchen Rahmenbedingungen sie weiterarbeiten müssen. „Wir müssen unseren Trainingsplan danach richten und brauchen außerdem eine Grundlage für die Gespräche mit den Sponsoren.“ Mit denen stehe der TVB zwar ständig in Kontakt, könne aber keine klaren Aussagen machen derzeit.

In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten die Vereine, so Schweikardt, neue Vermarktungsmöglichkeiten. „Können wir beispielsweise mehr TV-Flächen bekommen, falls es Geisterspiele geben sollte?“ Zudem müssten sich die Clubs mit Hygienekonzepten auseinandersetzen. „Da gibt’s plötzlich ganz neue Themenfelder.“

Die Vereine stehen vor großen Herausforderungen, und auch die Spieler müssen mit großer Wahrscheinlichkeit den Gürtel enger schnallen. „Wir haben zwar noch keine exakten Zahlen, aber es ist absehbar, dass wir weniger Einnahmen haben werden“, sagt Schweikardt. „Doch erst wenn wir wissen, wie hoch die Verluste ausfallen werden, können wir mit den Spielern seriöse Gespräche führen. Es muss alles nachvollziehbar sein.“

Jürgen Schweikardt geht davon aus, dass sich die Spieler darüber im Klaren seien, dass auch sie ein wenig zurückstecken müssen und vielleicht eine Saison weniger verdienen würden. „Es geht in erster Linie darum, dass wir alle unsere Jobs retten müssen. Und wir möchten den Profihandball erhalten.“

Trainiert und gespielt wird in der ersten Handball-Bundesliga zwar nicht, doch im Hintergrund werden vielerlei Konzepte erarbeitet. Einig sind sich alle Beteiligten, hier der TVB-Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, dass der Handball schnellstmöglich zurück auf die Bühne muss. Zur Not auch für eine Weile mit den ungeliebten Geisterspielen.

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