Nationalspieler zurück im Liga-Alltag

An diesem Donnerstag steigen Bitter, Zieker und Schmidt ins Mannschafttraining des TVB Stuttgart ein

Fünf Spieler des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart sind bei der Handball-Europameisterschaft in Schweden, Norwegen und Österreich im Einsatz gewesen. Am längsten die drei deutschen Auswahlspieler, die erst an diesem Donnerstag zu ihrem Team zurückkehren. Nur drei Tage bleiben dem TVB damit zur Vorbereitung aufs Bundesligaspiel am Sonntag (16 Uhr) beim TBV Lemgo. „Das ist natürlich alles andere als optimal“, sagt Jürgen Schweikardt. Andererseits freut sich der TVB-Trainer darüber, dass sich das Quintett im Wettbewerb mit den weltbesten Teams überwiegend gut präsentiert hat.

Drei Spieler der Stuttgarter gehörten bei der EM zum 17-Mann-Kader der deutschen Nationalmannschaft, da hielt lediglich die ambitionierte MT Melsungen Schritt. Entsprechend stolz war im Vorfeld der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt – und gespannt, wie sich Johannes „Jogi“ Bitter, Patrick Zieker und David Schmidt präsentieren würden. Und natürlich hatte der Coach und Geschäftsführer auch die Partien der Schweizer (mit Samuel Röthlisberger), Nordmazedonier (mit Zarko Pesevski) und Isländer (mit dem künftiger TVB-Spieler Viggò Kristjanssòn) im Blick.

Mit der Titelvergabe hatten sämtliche fünfeinhalb Stuttgarter nichts zu tun, die erfahrenen Spanier setzten sich knapp mit 22:20 durch. Für Schweikardt ging das in Ordnung, „auch wenn es die Kroaten genauso verdient gehabt hätten“. Wie manch anderes Team auch. „Es gibt mindestens acht Mannschaften, die auf ähnlichem Niveau sind, am Ende entscheiden Kleinigkeiten.“ Für die deutsche Auswahl sei’s mit Rang fünf zwar nicht außerordentlich gut gelaufen, aber auch nicht schlecht. Immerhin habe sie Top-Teams wie Dänemark, Frankreich oder Schweden hinter sich gelassen. „In der Breite sind wir stark aufgestellt“, sagt Schweikardt. „Spieler wie Sander Sagosen oder Domagoj Duvnjak haben wir aber nicht.“

Dafür einen wie Johannes Bitter. „Jogi hat sich super verkauft“, so Schweikardt. Der 37-Jährige, dem der Bundestrainer den Vorzug gegeben hatte vor Silvio Heinevetter und Dario Quenstedt, harmonierte sehr gut mit Andreas Wolff. Er glänzte sowohl als Motivator neben dem Spielfeld als auch als starker Rückhalt zwischen den Pfosten. Der Weltmeister von 2007 hatte mit 35 Prozent gehaltener Bälle eine bessere Quote als Wolff (30) und wurde zweimal hintereinander als „Man of the Match“ ausgezeichnet. Und es sieht ganz danach aus, als ob das 154. Länderspiel gegen Portugal nicht Bitters letztes gewesen ist. Der Oldie scheint noch richtig Lust zu haben auf eine Fortsetzung. Beispielsweise bei den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer. Bevor indes die Qualifikationsspiele anstehen, ist Bitter in seinem Verein gefordert: Der TVB braucht seinen Torhüter im Abstiegskampf dringend. Am besten in EM-Form – und mit einer Fangquote von 54 Prozent wie gegen Österreich.

Bitter war einer der Gewinner im DHB-Team. Doch auch die beiden anderen Stuttgarter, Patrick Zieker und David Schmidt, machten ihre Sache gut bis ordentlich. Vor allem, weil sie vor der EM mehr oder weniger als Backup eingeplant waren. David Schmidt war nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Franz Semper kurzfristig auf dem EM-Zug aufgesprungen und sollte im rechten Rückraum Kai Häfner entlasten. Der Bruder des Stuttgarters Max Häfner spielte nicht auf seinem höchsten Niveau, weshalb Schmidt mehr Spielanteile bekam als erwartet. Wie beim TVB, so übernahm der Linkshänder auch im Nationaltrikot viel Verantwortung. Die Trefferquote war auf Häfners Niveau (47 Prozent). In der Defensive indes ging Schmidt hin und wieder etwas zu übereifrig zu Werke und handelte sich vier Zeitstrafen ein. Unterm Strich erfüllte Schmidt aber seine Aufgaben. Dennoch dürfte es für ihn schwer werden, wenn die verletzten und erkrankten Steffen Weinhold, Fabian Wiede und Franz Semper zurückkehren.

Als zweiter Mann hinter dem Kapitän Uwe Gensheimer ging Patrick Zieker ins Turnier – und der 26-Jährige kam früher als geplant zum Einsatz: Wegen eines Kopftreffers im Auftaktspiel gegen den niederländischen Torhüter Bart Ravensbergen sah Gensheimer nach wenigen Minuten die Rote Karte. „Da ist es mir schon ein bisschen durchgefahren“, sagt Zieker. Die Anspannung habe sich aber schnell gelegt.

Und es blieb nicht bei einem Kurzeinsatz: Am Ende hatten lediglich sechs Feldspieler mehr Spielzeit als der TVB-Linksaußen, der zudem eine bessere Trefferquote zu Buche stehen hat als Gensheimer. Zieker spielte auch in der Defensive eine Rolle. Er deckte, anders als beim TVB, auch auf der Halbposition. „Das habe ich in Lemgo auch schon ab und zu gemacht“, sagt Zieker. „Es hat ganz gut funktioniert.“

Unterm Strich sei die EM für ihn ein „unfassbares Erlebnis“ gewesen – mit einem kleinen Wermutstropfen: „Die Niederlage gegen Kroatien war schon eine riesige Enttäuschung. Da wurde es kurz zäh. Positiv war, dass wir danach trotzdem noch gute Spiele abgeliefert haben.“

Sehr gerne hätte Zieker noch ein paar Tage mehr Zeit gehabt zur Regeneration. „Körperlich ist es weniger ein Problem“, sagt Zieker. „Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass es nicht so einfach ist, jetzt den Kopf wieder frei zu bekommen.“ Die Hinserie sei lang und anstrengend gewesen, am Sonntag ist Zieker im Abstiegskampf gefordert. „Der Februar wird gleich ein Marathon.“ Ruhepausen sind Zieker, anders als in der Nationalmannschaft, nicht vergönnt: Er ist der einzige Linksaußen im Kader des TVB. Nach 14 Jahren Pause hatte sich die Schweiz wieder für eine EM qualifiziert – und Pech, dass sie starke Vorrundengegner erwischte. Im Auftaktspiel unterlag das Team um den Stuttgarter Samuel Röthlisberger dem Gastgeber Schweden klar mit 21:34. „Das hatten wir uns natürlich ein wenig anders vorgestellt“, sagt der 23-Jährige. Trotzdem sei’s ein tolles Erlebnis gewesen vor 12 000 schwedischen und 500 Schweizer Fans zu spielen. „Ich war noch nie vor einem Spiel so nervös.“ In der zweiten Partie gegen Polen (31:24) habe sein Team eine starke Reaktion gezeigt. Um noch in die Hauptrunde einzuziehen, hätten die Schweizer die starken Slowenen mit acht Toren Differenz bezwingen müssen. „Das war ein Ding der Unmöglichkeit.“ Bei der 25:29-Niederlage spielte das Team um Andy Schmid aber sehr gut mit.

„Ich denke, insgesamt haben wir uns gut präsentiert“, sagt Röthlisberger. „Das Turnier war für unser Team ein wichtiger Entwicklungsschritt.“ Auch mit seinen Leistungen war der Stuttgarter zufrieden – abgesehen vom ersten Spiel. „Natürlich kann man immer etwas besser machen. Es wäre ja schlimm, wenn das nicht so wäre.“

Wie für Röthlisberger, so war auch für Zarko Pesevski die EM nach der Vorrunde beendet. Nach dem 26:25-Auftaktsieg gegen die Ukraine musste sich Nordmazedonien den Tschechen (25:27) und Gastgeber Österreich (28:32) geschlagen geben. Ein bisschen mehr hatte sich das Team um den Superstar Kiril Lazarov sicher ausgerechnet. Pesevski war am Kreis die Nummer zwei hinter Stojanche Stoilov, die Spielanteile waren entsprechend überschaubar. Zumal Pesevksi, wie beim TVB, nur in der Offensive eingesetzt wird.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW

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