TVB sieht Chance gegen den Meister

In der Vorbereitung aufs elfte Saisonspiel hat Jürgen Schweikardt eine Premiere erlebt: Am Dienstag waren sämtliche Spieler aus dem Kader trainingsfähig. Nicht nur deshalb blickt der Trainer des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart zuversichtlich auf das Duell gegen den Deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt am Samstag (20.30 Uhr) in der Porsche-Arena.

Viertletzter Platz, 4:16 Punkte, nur zwei Zähler vom Abstiegsrang entfernt – und jetzt kommt auch noch der Deutsche Meister nach Stuttgart: Es gäbe also Anlass genug für den TVB, dem November-Blues zu verfallen. Doch trotz der schwierigen Situation ist die Stimmung nicht so trübe.

Das liegt zunächst einmal daran, dass der TVB vor der Länderspielpause beim Top-Team SC Magdeburg – trotz der 28:33-Niederlage – einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. Zum anderen kann der Trainer Jürgen Schweikardt personell zum ersten Mal in dieser Saison aus dem Vollen schöpfen. Die beiden Nationalspieler Samuel Röthlisberger und Zarko Pesevski (siehe Artikel rechts) sind „gesund und zufrieden“ (Schweikardt) von ihren Einsätzen zurückgekehrt. Sascha Pfattheicher, der zuletzt wegen einer Hüftverletzung aussetzen musste, ist wieder fit. Noch seien zwar nicht alle Spieler bei hundert Prozent, sagt Schweikardt. „Aber die Basis ist da, wir können endlich ordentlich trainieren.“

Jetzt gilt’s für den TVB, noch einmal tief Luft zu holen vor zwei ebenso anstrengenden wie wichtigen Monaten bis zur EM-Pause im Januar. Zehn Spiele – inklusive des Pokal-Viertelfinales gegen den THW Kiel – stehen binnen acht Wochen an. Ende Dezember möchte Jürgen Schweikardt mindestens zehn Punkte auf der Habenseite stehen sehen. Sechs fehlen folglich noch – und das bei Gegnern wie den Rhein-Neckar Löwen, MT Melsungen, Tabellenführer Hannover und den Füchsen Berlin.

Ganz ohne einen nicht eingerechneten Erfolg dürfte das Zwischenziel wohl kaum zu erreichen sein. „Ich nehme gerne jederzeit eine Überraschung an“, sagt Schweikardt. Ist die vielleicht bereits am Samstag drin? Selbst wenn der Deutsche Meister SG Flensburg-Handewitt anreist?

Unter normalen Umständen nicht. Allerdings präsentieren sich die Flensburger in dieser Saison längst nicht so stabil wie in den beiden Meister-Spielzeiten zuvor. Womöglich hat das Team von Trainer Maik Machulla an den Abgängen von Abwehrchef Tobias Karlsson und dem überragenden Angreifer Rasmus Lauge doch härter zu knabbern als erwartet. „Die beiden waren schon zentrale Spieler“, sagt Schweikardt. Dennoch sei die SG nach wie vor auf sämtlichen Positionen mit Weltklassespielern besetzt.

Beispielsweise im Tor mit Torbjörn Bergerud und Benjamin Buric. Oder im Rückraum mit Holger Glandorf, Simon Jeppsson, Jim Gottfriddsson, Magnus Röd und Göran Johannessen. Lasse Svan zählt nach wie vor zu den weltbesten Rechtsaußen, Johannes Golla am Kreis ist das größte deutsche Kreisläufer-Talent. Pech hatte sein Positionskollege Simon Hald, der sich das Kreuzband gerissen hat. Für den Dänen holte der TVB-Gegner kurzerhand den früheren Flensburger Jacob Heinl aus Esbjerg zurück. Mit dem am Fuß operierten Linksaußen Hampus Wanne fehlt der SG ein weiterer Spieler.

„Flensburg ist natürlich der große Favorit“, sagt Schweikardt. „Wir möchten aber dagegenhalten, so gut es geht. Und wir wollen die Chance nutzen, sollte Flensburg nicht zu seinem Spiel finden.“ Wie beispielsweise zuletzt gegen den Vorletzten Eulen Ludwigshafen. Da quälte sich der Meister nach einem Rückstand erst mit einem 6:0-Lauf zum 29:26-Sieg.

Info: Der TVB weist darauf hin, dass die Anreise zur Porsche-Arena am Samstag durch die Sanierungsarbeiten im Schwanenplatztunnel erschwert ist. Die Bundesstraße 14 in Richtung Bad Cannstatt ist gesperrt.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW

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