Im Gespräch mit Patrick Zieker

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04
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2026
7
Min. Lesedauer

Patrick Zieker spricht über die Entwicklung des TVB Stuttgart unter Misha Kaufmann und die wachsende Bedeutung von Taktik und Details im Handball sowie über Anforderungen an Außenspieler und Einblicke in sein Leben abseits der Halle.

1. Du bist mittlerweile eine feste Größe beim TVB Stuttgart. Wie nimmst du die Entwicklung der Mannschaft in dieser ersten Saison unter Misha Kaufmann wahr?

Ich glaube, wir konnten in der ersten Saison unter Mischa viele Dinge verändern und verbessern, die uns erfolgreich machen. Die Weiterentwicklung steht an oberster Stelle. Wir wollen uns jeden Tag verbessern und dazulernen. Wenn wir weiterhin auf diesem Weg bleiben und die Gier besitzen, uns verbessern zu wollen und jeden Tag voranzugehen, dann werden wir auch die Ziele des Vereins erreichen. Und das alles lebt Misha auf seine Art und Weise vor. Wir versuchen, mit allem, was wir haben, mitzuziehen und gemeinsam in eine Richtung zu laufen.

2. In eurem Spielsystem gibt es genaue Absprachen und der Fokus liegt auf den Details. Siehst du in der Zukunft im Handball noch Raum für freies Spiel oder bist du ein Fan von abgesprochenen „Plays“ wie im Football?

Man merkt, wie sich der Handballsport in den letzten Jahren verändert hat und der Trend dahin geht, dass viele Sachen genau auf den Punkt abgesprochen werden, um die Effizienz und die Wahrscheinlichkeit für ein Tor zu erhöhen. Da spielen natürlich Absprachen und Vorbereitungen auf so eine finale Aktion eine große Rolle. Und Mischa ist einer, der von Details lebt, der uns jeden Tag versucht, mit diesen Details besser zu machen. Freies Spiel ist sicherlich nicht verkehrt und hat seine Berechtigung. Aber oftmals kann freies Spiel auch genau in die falsche Richtung gehen. Wenn die Entscheidung meines Nebenmanns nicht die gleiche ist wie meine, dann kann das zu Fehlern führen, und die versuchen wir zu vermeiden. Ich glaube daher, dass die Absprachen immer mehr werden, weil es einfach Fehler minimiert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, erfolgreich zu sein.

3. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre, sowohl im Verein als auch individuell? Gibt es etwas, was du als Spieler unbedingt noch erreichen möchtest?

Ich versuche nach wie vor, immer wieder neue Sachen aufzusaugen, und versuche, mich zu verbessern, auch in Themenfeldern, die nicht direkt offensichtlich sind, zum Beispiel im mentalen Bereich. Mein Ziel ist es also, die Motivation hochzuhalten und den Antrieb zu haben, mich jeden Tag verbessern zu wollen, um das Optimale aus mir herauszuholen und bestmöglich der Mannschaft und dem Verein helfen zu können. Und natürlich ist es ein großes Ziel von mir, einmal in einem Endspiel zu stehen, zum Beispiel im Pokalfinale. Ich bin mir sicher, dass es die Chance geben wird, das mit dem TVB zu erreichen.

4. Du bist als klassischer Außenspieler sowohl im Tempo als auch aus dem Positionsangriff heraus gefährlich. Was macht für dich einen richtig guten Außenspieler aus und worauf sollten junge Spieler auf deiner Position besonderen Wert legen?

Es sind mehrere Dinge, die du als Außenspieler auf die Platte bringen musst, aber am Ende ist das alles Entscheidende deine Effizienz. Da konstant zu sein ist schwierig, da es Spiele gibt, in denen alles über außen geht, und solche, in denen man nur einen Ball bekommt, auf den dann alles ankommt. Es helfen viele Dinge: ein guter Sprung, ein gutes Wurfrepertoire. Du brauchst aber auch in der Abwehr das Gespür, um gewisse Situationen retten zu können, weil du oftmals das letzte Glied bist und viele Eins-gegen-zwei-Entscheidungen auf dich zukommen. Die musst du gut lesen können. So kannst du die Abwehr sehr kompakt machen, Räume gut verdichten und Situationen antizipieren.

5. Wie verbringst du Zeit abseits der Halle, um abzuschalten?

Abseits der Halle verbringe ich die meiste Zeit mit meiner Familie und genieße jede Sekunde. Das ist mein Rückzugsort, das gibt mir Sicherheit. Darauf freue ich mich auch wenn es mit vier Kindern natürlich öfter mal stressig ist. Es ist das, wofür ich lebe, und ich freue mich über jede Sekunde, die ich mit der Familie habe.

6. Zu guter Letzt: Wer oder was hat dich auf deinem Weg am meisten geprägt?

Ich glaube, das ist eine tiefgründige Frage. Am meisten geprägt haben mich wahrscheinlich die Erfahrungen, die ich gemacht habe, oftmals Rückschläge oder Situationen, in denen es vielleicht nicht mehr so reibungslos läuft. In solchen Momenten hinterfragt man Dinge, auch sich selbst, und muss versuchen, Lösungen zu finden. Wenn man das schafft, kann man gestärkt daraus hervorgehen, und es gibt einem eine innere Sicherheit. Ich glaube, dass es über eine Karriere viele solcher Situationen gibt, die einen prägen. Deswegen kann ich das nicht an einem Moment oder an einer Person festmachen, sondern eher an den Erfahrungen und Rückschlägen, die man durchlebt und daran, wie man damit umgeht und aus diesen Situationen herauskommt.

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