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Vorbericht

 

Nach der 24:29-Auftakt-Niederlage gegen den HC Erlangen stehen die Erstliga-Handballer des TVB Stuttgart an diesem Dienstag beim SC DHfK Leipzig vor einer noch schwierigeren Aufgabe: Das Team von Trainer André Haber ist mit 4:0 Punkten hervorragend gestartet und dürfte vor seinen euphorischen Fans mit einer großen Portion Selbstvertrauen zu Werke gehen.

Die englische Woche ist dem TVB erspart geblieben durch die Verlegung des Kiel-Spiels vom vergangenen Sonntag auf Mitte Dezember. Damit blieben dem Trainerteam ein paar Tage mehr Zeit zur Vorbereitung auf das zweite Saisonspiel – und das hat es in sich: Der Vorjahreselfte SC DHfK Leipzig bestätigte in den ersten beiden Bundesligaspielen den sehr guten Eindruck, den er in der Vorbereitung hinterlassen hatte. Auf den 31:25-Testspielsieg gegen den polnischen Vizemeister Wisla Plock ließ das Team vom Trainer André Haber den souveränen Einzug ins DHB-Achtelfinale folgen: 40:27 gegen den Drittligisten Altenholz und 31:21 gegen den Liga-Konkurrenten HSG Nordhorn-Lingen.

Zum Punktspielauftakt kämpften die Leipziger im prestigeträchtigen Duell in heimischer Halle die Füchse Berlin mit 24:23 nieder. Sie ließen sich dabei auch vom schnellen 1:7-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen – und setzten im nächsten Spiel sogar noch einen drauf in puncto Aufholjagd: 1:8 lag Leipzig in Minden im Hintertreffen und bog die Partie noch in den 25:21-Sieg. „Nach diesen Erfolgen strotzen die Leipziger natürlich vor Selbstbewusstsein“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Die Moral des Gegners sei enorm. „Das macht die sowieso schon sehr ambitionierte Aufgabe für uns nicht leichter.“

Hoffnungsträger bei Leipzig: Marko Mamic aus Kielce

Nach zwei achten Plätzen in Folge lief’s bei den Leipzigern in der vergangenen Saison nicht ganz so rund. Zur WM-Pause im Januar mussten sie sich sogar Sorgen machen um den Ligaverbleib. Nur vier Punkte waren’s bis zum Abstiegsrang. In der Rückrunde berappelte sich der SC und kletterte immerhin noch auf Platz elf.

Die Ansprüche indes sind andere. Mittelfristig möchte Leipzig aufs internationale Parkett – und deshalb langte der Verein bei der Kaderplanung für die aktuelle Spielzeit noch einmal kräftig zu. Für den linken Rückraum verpflichtete er vom polnischen Top-Club KS Kielce den kroatischen Nationalspieler Marko Mamic (25). „Er war vor ein paar Jahren auf dem Weg zum neuen Superstar, er hat sich in Kielce aber im Angriff nicht so richtig durchgesetzt“, sagt Schweikardt. In der Defensive sei er aber sehr stark, und in den ersten beiden Saisonspielen habe er auch im Angriff überzeugt.

Bei 21 Spielern kann die eine oder andere Verletzung problemlos aufgefangen werden

Mit dem deutschen Ex-Nationalspieler Philipp Müller (34) holte sich Leipzig nicht nur Erfahrung ins Team, sondern auch einen weiteren ausgebufften Defensivstrategen. Hinzu kommt Bastian Roscheck, seit sechs Jahren Abwehrchef bei SC.

Großes Pfund des TVB-Gegners dürfte in dieser Saison – außer der Abwehrstärke – der extrem breite und ausgeglichene Kader sein. Bei 21 Spielern kann die eine oder andere Verletzung problemlos aufgefangen werden. So fehlt derzeit noch der an der Schulter operierte Niclas Pieczkowski. Einsatzfähig dagegen sind dessen Nationalmannschaftskollegen Philipp Weber, Franz Semper und Maximilian Janke.

„Unsere wichtigste Aufgabe ist es zunächst, den großen Kampfgeist der Leipziger anzunehmen“, sagt Schweikardt. Zusammen mit dem begeisterungsfähigen Publikum dürfte das Haber-Team ziemlich viel Lärm veranstalten.

„Natürlich versuchen wir, jedes Spiel zu gewinnen“

Der TVB-Trainer möchte sich jedoch nicht allzu ausgiebig mit dem Gegner beschäftigen. „Wir müssen aktuell mehr auf uns schauen, wir haben noch genügend Aufgaben im eigenen Stall.“ Mit Rudolf Faluvegi, der in Erlangen sein Debüt und Comeback zugleich feierte, müsse ein weiterer neuer Spieler ins Team integriert werden. Zwei Etablierte, die langzeitverletzten Linkshänder David Schmidt und Robert Markotic, sollen Ende der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Wie in Erlangen, so bleibt dem TVB Stuttgart auch in der Leipziger Arena lediglich die Rolle des Außenseiters. „Natürlich versuchen wir, jedes Spiel zu gewinnen“, sagt Schweikardt. Sollte dies jedoch nicht gelingen, „geht es für uns darum, aus jedem Spiel etwas mitzunehmen“. Leipzig träumt derweil von vier Siegen nach vier Spielen. Nach dem TVB wartet mit den Eulen Ludwigshafen schon am Donnerstag eine weitere machbare Aufgabe.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW

Spielbericht

 

Das zweite Saisonspiel des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart ist fast eine Kopie gewesen des ersten Auftritts: Bei der 28:31-Niederlage gegen den SC DHfK Leipzig gefiel das neu formierte über weite Strecken. Die fehlende Stabilität über 60 Minuten hinweg war vor 3563 Zuschauern in der Leipziger Arena ausschlaggebend für die zweite Niederlage.

Vor der Partie gab’s eine schlechte und eine gute Nachricht aufseiten des TVB: Rudolf Faluvégi musste wegen einer Ellbogenverletzung kurzfristig passen. Dafür meldete sich Robert Markotic nach einer sechsmonatigen Verletzungspause überraschend einsatzbereit. Vorneweg: Der Linkshänder machte seine Sache im rechten Rückraum ordentlich.

Mit 1:7 und 1:8 hatten die Leipziger in den ersten beiden Saisonspielen zurückgelegen und beide Partien noch gedreht. Deshalb wurde das Team von Trainer André Haber vermutlich auch am Dienstagabend nicht zappelig, als es einem 0:3-Rückstand hinterherlaufen musste. Der TVB startete sehr konzentriert. Die Deckung um den Mittelblock Adam Lönn und Manuel Späth stand sicher, vorne waren die Gäste zunächst eiskalt.

Defensive hatte gefährlichen Leipziger Rückraum weitgehend im Griff

Leipzig kam zwar nach und nach besser in die Partie, der starke Linksaußen Lukas Binder glich beim 4:4 (12.) erstmals aus und Marko Mamic sorgte beim 5:4 für die Führung des Favoriten. Der TVB hielt jedoch prima dagegen. Der überzeugende Lönn im linken Rückraum und Sascha Pfattheicher brachten den TVB beim 8:6 (18.) wieder in Vorteil. Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt spielte variabel und druckvoll. Und die Defensive hatte den gefährlichen Leipziger Rückraum weitgehend im Griff – ganz gleich, wen Haber aufs Fels schickte. Nach Dominik Weiß’ Treffer zum 10:7 (23.) wurde es still in der Halle. Allerdings nur für zwei Minuten.

Nachdem der TVB die Chance auf die Vier-Tore-Führung vergeben hatte, nutzte das Heimteam weitere Fehler der Gäste mit einem 6:1-Lauf zum 13:11 (27.). Die Trefferquote stimmte nicht mehr beim TVB, allen voran der Kreisläufer Zarko Pesevski scheiterte immer wieder an SC-Keeper Jens Vortmann. Der lieferte sich im ersten Spielabschnitt ein ausgeglichenes Duell mit Johannes Bitter. Mit dem 13:14-Rückstand ging der TVB in die Pause – es wäre ein besseres Resultat möglich gewesen.

Geschlossenheit des TVB fehlte in der zweiten Hälfte

Mit deutlich mehr Zug kehrte Leipzig aus der Kabine zurück. Die Stuttgarter Defensive hatte nun alle Hände voll zu tun, die Geschlossenheit der ersten 30 Minuten war nicht mehr da. Auch Bitters Fangquote sank deutlich. Das Heimteam zog mit drei schnellen Toren zum 17:13 (33.) davon. Der TVB hatte auch im Angriff Mühe, wählte den siebten Feldspieler als taktisches Mittel. Stuttgart ließ zwar nicht abreißen, kam aber auch nicht mehr bedrohlich nahe heran. Nach 40 Minuten, beim 19:23-Rückstand, machte Bitter Platz für Nick Lehmann. Auch Leipzig wechselte den Keeper. Joel Birlehm parierte gleich den ersten Wurf von Patrick Zieker und verhinderte den Stuttgarter Anschluss zum 22:23 (44.).

Nachdem Pesevksi zwei weitere freie Chancen versiebt hatte, sorgte Viggo Kristjansson mit dem 27:23 (50.) wieder für einen recht beruhigenden Vorsprung des SC. Acht Minuten vor dem Ende versuchte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt seine Spieler in einer Auszeit daran zu erinnern, dass es „ohne Zweikämpfe nichts wird“. Ebenso wie ohne Konzentration. Die fehlte allerdings auch auf der Bank: Nach dem 25:29 (53.) leistete sich der TVB einen Wechselfehler und musste vier Minuten in Unterzahl agieren.

Erstes Heimspiel am kommenden Sonntag

Dasselbe Missgeschick passierte zwei Minuten vor dem Ende. Zu diesem Zeitpunkt hatte Leipzig den dritten Sieg im dritten Spiel (31:28) und die vorübergehende Tabellenführung bereits in der Tasche. Der TVB hofft nun am Sonntag (16 Uhr) in der Scharrena gegen Minden auf die ersten Punkte.

SC DHfK Leipzig: Vortmann (1), Birlehm; Semper (2), Witzke (3), Wiesmach, Krzikalla (3), Binder (6), Janke (2), Müller, Roscheck (1), Weber (4/1), Mamic (5), Remke, Gebala (2), Milosevic, Esche, Kristjansson (2).

TVB Stuttgart: Bitter, Lehmann; Häfner (4), Asgeirsson (1), Weiß (1), Späth, Lönn (7), Markotic (3) Röthlisberger, Zieker (7/3), Pfattheicher (4), Pesevski (1) Wieling.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW