Bundesliga-Ende für TVB-Spieler Manuel Späth

 Am 22. Februar 2006 gab der Handball-Erstligist FA Göppingen, im Anschluss an das Heimspiel gegen den THW Kiel, die Verpflichtung des 20-jährigen Manuel Späth vom Filderclub TSV Neuhausen bekannt. „Wir freuen uns über den Neuzugang des Perspektivspielers aus der Region“, schrieben die Göppinger damals in einer Pressemitteilung. Aus dem Talent ist längst ein Dauerbrenner geworden. Und ein Rekordhalter: In 14 Jahren verpasste Späth lediglich zwei Bundesligaspiele – wegen der Geburt seiner beiden Töchter.

Eigentlich hätte der 34-Jährige, der nach drei Spielzeiten beim TVB Stuttgart keinen neuen Vertrag mehr erhält, am 14. Mai in Flensburg sein letztes Bundesligaspiel bestritten. Durch den vorzeitigen Saisonabbruch war die Partie gegen Magdeburg am 8. März das Abschiedsspiel. „Ich hätte die restlichen sieben Spiele noch sehr gerne genossen“, erzählt Manuel Späth im Interview. Am Ende seiner Laufbahn möchte er sich einen finalen Traum erfüllen: ein Engagement im Ausland. 

Herr Späth, Sie sind derzeit ein gefragter Mann: An einem Tag standen Sie erst der „Filstalwelle“ Rede und Antwort und waren anschließend zu Gast beim TVB-Montalk mit Jens Zimmermann, jetzt fragt die Lokalzeitung an. Und nebenbei kümmern Sie sich ausgiebig um die vielen Einträge der Fans auf Ihrer Facebook-Seite. Das hört sich nach Terminstress an. Nein, das ist derzeit eine ganz nette Abwechslung. Ansonsten gibt es ja nicht so viel zu tun. Deswegen habe ich mich auch mit den Fans, von denen ich viele persönlich kenne, ein bisschen stärker ausgetauscht. Es ist schön, wenn man auf diese Weise in Kontakt bleiben kann. Man sieht sich ja derzeit in der Halle nicht mehr. Auf Ihrer Facebook-Seite schreiben Sie auch, dass mit dem vorzeitigen Ende der Saison zugleich – nach 14 Jahren – Ihre Zeit in der Bundesliga endet und dass Sie sich einen anderen Abschluss gewünscht hätten. Vom Ende der Profi-Karriere sprechen Sie allerdings nicht. Das hört sich so an, als ob Ihre Pläne, die Laufbahn im Ausland fortzusetzen, weit gediehen seien. 
Ich bin mit ein paar Vereinen in ganz guten Gesprächen. Es ist aber noch nichts fix, deshalb möchte ich dazu jetzt auch noch nichts sagen. Ich habe ja schon öfter betont, dass das Ausland für mich noch einmal sehr reizvoll wäre. Ich hoffe auch nach wie vor, dass es klappt – trotz der Corona-Krise. Wenn es passen sollte für mich und meine Familie und natürlich auch sportlich, dann ist das nach wie vor noch mein Traum, den ich mir gerne erfüllen würde. 

Hat Sie die Tatsache, dass Sie zuletzt in sehr guter Form waren, in diesem Vorhaben bestärkt? 
Sicherlich haben die Leistungen dazu beigetragen, dass sich noch einmal die eine oder andere Tür geöffnet hat. So gesehen, ist es sehr schade, dass die Saison so abrupt endete. Verzögert sich die Entscheidung nun durch die Corona-Krise? Schon, denn keiner weiß so recht, wie’s weitergeht. Hinzu kommt, dass ein Wechsel ins Ausland mit mehr Aufwand verbunden ist als einer innerhalb der Region. Deshalb gibt’s da noch einige Dinge mehr zu klären. Grundsätzlich bin ich aber optimistisch, dass sich bald etwas ergeben wird. Es hat ja eine ganze Weile gedauert, bis die Auswirkungen des Corona-Virus offensichtlich geworden sind.

Wann haben Sie realisiert, dass das Spiel gegen Magdeburg am 8. März Ihr letztes in der Liga gewesen sein könnte? 
Direkt nach dem Spiel noch nicht, wir haben ja noch bis zum Ende der Woche normal trainiert. Obwohl das Virus immer größere Wellen geschlagen hat, haben wir immer noch gedacht, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Aber dann hat es sich angedeutet, dass es nichts mehr werden wird. Für mich stand relativ schnell fest, dass es keinen Sinn macht, noch einmal zu spielen. Zumal ja die Geisterspiele im Handball nicht infrage kamen. Nach dem vorzeitigen Saisonende haben Sie jetzt die Gelegenheit, mehr Zeit mit Ihrer Frau und Ihren beiden Kindern zu verbringen. Ja, wir unternehmen einiges zusammen als Familie. Wir haben viel im Garten gespielt oder den einen oder anderen kleinen Ausflug gemacht in die Natur. Natürlich fehlt es uns, dass wir unsere Freunde nicht treffen können. Wir machen halt das Beste aus der Situation. 

Ihre Verabschiedung vor drei Jahren in Göppingen war fast schon legendär. Gab’s beim TVB auch schon Pläne für eine kleine Abschiedsparty? 
Wir hätten natürlich ganz gerne einen schönen Abschied gehabt, auch mit unseren Freunden. Jetzt müssen wir sehen, wie sich alles entwickelt und ob zumindest virtuell oder in einem kleinen Rahmen vielleicht doch noch etwas möglich ist. 

Wie traurig stimmt Sie dieser auf jeden Fall leise Abschied? 
Klar, ich hatte mich auf die restlichen Bundesligaspiele sehr gefreut. Man nimmt sie noch einmal ganz anders wahr, wenn man weiß, dass es die letzten sind. Andererseits steht mein Abschied beim TVB ja eine Weile fest, dementsprechend habe ich die Spiele seither schon anders erlebt. Gerade die Partien in der Porsche-Arena, das Spiel gegen Göppingen beispielsweise. So was bleibt in Erinnerung. Ich denke, sollte die Profi-Karriere für mich noch weitergehen, wäre dieser Abschied noch zu verschmerzen, weil’s ja noch nicht das endgültige Ende wäre. 

Wie fällt Ihr sportliches Fazit nach dieser unvollendeten Saison aus? 
Es war klar, dass es für uns nicht einfach werden wird mit vielen neuen Spielern, die noch nie in Deutschland gespielt haben. Im Dezember und spätestens in der Rückrunde haben wir gezeigt, dass wir zu einer richtig guten Mannschaft geworden sind und sicher auch noch den einen oder anderen Punkt geholt hätten. Jetzt sind wir eben auf diese Weise Zwölfter, das ist immerhin das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte. Unterm Strich können wir aus sportlicher Sicht zufrieden sein. 

Auch Sie persönlich dürften sehr zufrieden sein. Spielten Sie Ihre beste Saison im TVB-Trikot? 
Obwohl klar war, dass ich den Verein verlassen werde, stand ich eigentlich immer auf dem Feld. Das zeigt, dass die Leistung gepasst hat. Ich denke, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass der TVB so eine Saison gespielt hat. Ich war zufrieden und das Feedback war meistens auch sehr positiv. Es freut mich natürlich, dass ich mich so verabschieden konnte. 

Auch wenn’s jetzt wahrscheinlich nicht an der Zeit ist für das große Fazit nach dem Profi-Handball: Können Sie die 14 Bundesligajahre in ein paar Sätzen zusammenfassen? Was haben Sie am meisten genossen, was hat Sie gestört? 
Es ist schwierig, das in ein paar Sätzen zu formulieren. Aber insgesamt war es eine sehr, sehr schöne Zeit. Jeder, der eine Sportart ausübt, träumt vielleicht davon, dass er sie professionell betreiben kann. Für mich ist es nach wie vor eine tolle Sache, dass ich mit meinem Hobby meinen Lebensunterhalt verdienen und dem Hobby tagtäglich nachgehen kann. Ich möchte kein Jahr missen. Außerdem habe ich nebenbei mein Studium (Internationales Management, Anm. d. Red.) ganz gut hinbekommen und konnte mich so für die Zeit nach der Karriere vorbereiten. Natürlich ist man terminlich gebunden mit dem Handball. Es gibt den festen Spielplan, man kann die Freizeit schlecht planen. Weil man meist an den Wochenenden unterwegs ist, verpasst man beispielsweise Hochzeiten von Freunden. Auch Urlaub ist nur möglich, wann es der Trainings- und Spielplan hergibt. Auf der anderen Seite habe ich als Familienvater unter der Woche auch mal tagsüber Zeit, wenn kein Training ist. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. 

Im Video-Interview mit der Filstalwelle wurde eine Grußbotschaft von Christian Gentner eingespielt. Wie kam es zu den Freundschaft mit dem Ex-VfB-Spieler? 
Wir kennen uns relativ lange. Als zu Göppinger Zeiten die alte Hohenstaufenhalle in den Jahren 2008 und 2009 umgebaut wurde, haben wir unsere Heimspiele regelmäßig in der Porsche-Arena ausgetragen. Da kamen die Fußballer auch das eine oder andere Mal in die Halle und wir wurden im Gegenzug zu den VfB-Spielen eingeladen. Da haben wir uns ein bisschen kennengelernt. Wir waren ja auch beide eigentlich immer in der Region, Christian war kurz in Wolfsburg. Dadurch haben wir uns auch immer wieder auf Veranstaltungen getroffen. Wir sind immer in Kontakt geblieben. Gentner lobte Sie für die Werte und Tugenden, die Sie anderen in den vielen Jahren vermittelt haben, und dafür, dass Sie nie Ihre Bodenhaftung verloren hätten.

Wie sehr berühren Sie, auch als alten Hasen, solche Worte? 
Das ist schon eine schöne Wertschätzung – gerade, wenn sie von einem Menschen wie Christian Gentner kommt. Es ist irgendwo auch eine Bestätigung für die Arbeit. Dadurch, dass ich selbst damals als sehr junger Spieler nach Göppingen gekommen bin und es genossen habe, diesen Weg zu gehen und selbst Profi zu werden, war es mir immer wichtig, das alles wertzuschätzen und auf dem Boden zu bleiben. Ich denke, Gente und ich haben ähnliche Tugenden und sind uns vom Typ her da sehr ähnlich. 

Zur Person Manuel Späth wurde am 16. Oktober 1985 in Ostfildern geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der 2 Meter große Kreisläufer spielte in der Jugend bei der JSG Ostfildern. Erste Station bei den Aktiven war der TB Ruit. In der Saison 2004/2005 wechselte er zum TSV Neuhausen in die Regionalliga, 2006/2007 zu FA Göppingen in die erste Bundesliga. In den elf Spielzeiten gewann er viermal den EHF-Pokal. Am 29. November 2008 feierte „Urmel“ sein Debüt in der Nationalmannschaft, er bestritt 38 Länderspiele. Am 9. November 2013 bestritt Späth sein 250. Bundesligaspiel in Folge. In 14 Jahren verpasste er lediglich zwei Partien – wegen der Geburt seiner beiden Kinder. Zur Saison 2017/2018 schloss sich Späth dem TVB Stuttgart an. 

Tschüss, TVB: Nach drei Spielzeiten beim TVB Stuttgart und elf Jahren bei FA Göppingen verabschiedet sich Manuel Späth aus der Handball-Bundesliga.

Quelle: ZVW/Thomas Wagner

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