Ruhe bewahren in der „Eberthölle“

Der TVB braucht dringend den ersten Sieg – und muss sich auf ein fanatisches Publikum einstellen / TVB-Trainer Schweikardt legt den Fokus auf die Defensive

Nur ein Team steht in der Tabelle noch schlechter da als der TVB: die als Absteiger Nummer eins gehandelte HSG Nordhorn-Lingen. Um ein Haar indes hätte sich der Aufsteiger in seinem siebten Spiel am Sonntag den ersten Punkt geangelt. Der Erlanger Torhüter Nikolas Katsigiannis rettete seinem Team mit der finalen Parade in der Schlusssekunde den 26:25-Sieg. Ein Punktgewinn der Nordhorner oder gar ein Sieg und damit der letzte Tabellenplatz für das Team von Trainer Jürgen Schweikardt wären das i-Tüpfelchen gewesen auf ein missratenes Wochenende aus Sicht des TVB. Überraschend chancenlos ist er in Göppingen gewesen, dabei war er nach dem Pokalsieg gegen Erlangen guten Mutes zum Derby angetreten.

Im siebten Anlauf nun soll endlich der erste Sieg her. Mit den Eulen Ludwigshafen wartet ein Team, das in den vergangenen beiden Spielzeiten – nach dem Aufstieg in die 1. Liga – als jeweils 16. gerade so eben den Ligaverbleib schaffte. Zweimal am letzten Spieltag, in der vergangenen Saison lediglich aufgrund eines Tores. Auch in dieser Runde lautet das Ziel der Kurpfälzer wieder Klassenverbleib. Dabei bleiben die Eulen, auch dem vergleichsweise geringen Etat geschuldet, ihrem Konzept treu: Die Mannschaft besteht zu großen Teilen aus talentierten Nachwuchsspielern. Mit 23 Jahren im Schnitt coacht Benjamin Matschke das jüngste Team der Liga.

Das hat, ihm Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften, nichts zu verlieren und spielt munter drauflos. Nur knappe Niederlagen gab’s gegen die Titelkandidaten Rhein-Neckar Löwen (23:26) und THW Kiel (27:30). Am vierten Spieltag schlugen die Ludwigshafener den SC DHfK Leipzig überraschend deutlich mit 34:27. Anschließend setzte es drei Niederlagen: 23:29 in Minden, 19:23 zu Hause gegen Erlangen und zuletzt 19:29 in Berlin. Mit einem Sieg gegen den TVB legten die Eulen drei Punkte zwischen sich und den Gegner – und sorgten für noch größere Nöte beim Team von Jürgen Schweikardt.

Der Trainer ist sich der prekären Lagen natürlich bewusst. Allzu demütig indes dürfe sein Team nicht auftreten, sondern „mutig und entschlossen“. Seine Spieler dürften sich vom einen oder anderen Fehler nicht verunsichern lassen. In der Spielvorbereitung unter der Woche lag der Fokus auf der Abwehr. „Die müssen wir wieder stabil kriegen.“ Wie über 60 Minuten hinweg gegen Erlangen sowie jeweils 30 Minuten gegen Hannover und Göppingen. „Wenn wir das schaffen und Jogi Bitter gut hält, haben wir ein gutes Stück geschafft. Und im Angriff dürfen wir nicht zu kompliziert spielen.“

Nur unwesentlich hat sich der Kader der Eulen im Vergleich zur vergangenen Saison geändert. Als Ersatz für den Spielmacher Alexander Feld (zur HSG Wetzlar) kam Dominik Mappes aus Erlangen. Zudem haben sich die Eulen die Junioren-Nationalspieler Max Neuhaus (SC Magdeburg) und Jannek Klein (FC Barcelona) gekrallt.

„Der riesige Vorteil der Eulen ist, dass sie eingespielt sind“, sagt Schweikardt. „Wir müssen nach uns schauen und an unsere Stärken glauben.“ Einstellen muss sich der TVB am Samstag (20.30 Uhr) auf die hitzige Atmosphäre in der 2350 Zuschauer fassenden Friedrich-Ebert-Halle, die Eulen-Fans sprechen ausschließlich von der „Eberthölle“. In der vergangenen Saison endete die Partie dort 23:23, auch im Hinspiel in der Scharrena gab’s keinen Sieger (26:26).

Der TVB wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit unverändertem Kader nach Ludwigshafen reisen. Für Dominik Weiß (Zahnoperation) und Rudolf Faluvégi (Ellbogenverletzung) dürfte ein Einsatz noch zu früh kommen. Völlig ausgeschlossen indes ist er nicht.

Info: Für das Spiel gegen die Eulen in Ludwigshafen setzt der TVB Stuttgart am Samstag wieder einen kostenlosen Fan-Bus ein (Spielbeginn 20.30 Uhr). Abfahrt ist um 17.30 Uhr am Vereinsheim in Bittenfeld. Die Stehplatz-Tickets kosten 10,60 Euro. Anmeldungen sind möglich per E-Mail an: marketing@tvbstuttgart.de.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW

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