Nach Krebs-Schock: „Schimmel“ ist wohlauf

Neun Jahre hat Tobias Schimmelbauer für den TVB Stuttgart gespielt und einen wesentlichen Beitrag zu den Erfolgen des Handball-Erstligisten geleistet. Seinen größten Sieg indes feierte der Neu-Hamburger in diesen unruhigen Tagen: Nachdem bei einer Routine-Untersuchung ein Hoden-Tumor festgestellt worden war, hat der 32-Jährige die Operation sehr gut überstanden. Der Krebs hat nicht gestreut, eine Chemotherapie ist nicht nötig. „Ich bin froh, dass ich die eine Baustelle abgearbeitet habe“, sagt Schimmelbauer im Gespräch mit der ZVW.

Nun hofft er, dass auch die Corona-Krise bald Geschichte sein wird. Schließlich hat „Schimmel“ noch einiges vor mit seiner neuen Mannschaft, dem Zweitligisten HSV Hamburg. Im November vergangenen Jahres hatten die Verantwortlichen des Deutschen Meisters von 2011 und Champions-League-Siegers von 2013 für ihre Spieler einen eher ungewöhnlichen Pflichttermin angeordnet: einen Check beim Urologen. Tobias Schimmelbauer fehlte bei diesem Termin, holte ihn jedoch zu Beginn des neuen Jahres nach. Der Befund der Ultraschalluntersuchung war eindeutig: An einem Hoden hatte sich ein Tumor gebildet, der schnellstmöglich entfernt werden musste. Zwei Tage später bereits lag der 32-Jährige auf dem Operationstisch. „Das war natürlich eine Schocknachricht für alle – für mich, meine Eltern, meine Frau“, sagt Schimmelbauer. „Die Ärzte beruhigten mich zwar gleich ein bisschen, aber du weißt ja nicht, wie du mit so einer Diagnose umgehen sollst und was auf dich zukommt.“ Schließlich habe er sich bis dahin noch nie mit dem Thema Krebs beschäftigt. „Man hat im ersten Moment keine Ahnung, welcher Krebs wie gut heilbar ist.“ Die OP selbst sei dabei das kleinere Problem gewesen, die habe er gut weggesteckt. „Das hört sich im ersten Moment zwar schlimm an, aber ich hatte ja keinen großen Leidensweg.“ Von der Operation habe er nach drei Wochen nichts mehr gemerkt und schnell keine Einschränkungen mehr gehabt. Nach vier Wochen sei er schon wieder laufen gewesen. 

Glück im Unglück: Keine Chemotherapie nötig 

Mental zu schaffen indes machten ihm die Blutuntersuchungen, die in den folgenden zwei Monaten alle zehn Tage anstanden. „Du wartest auf die Ergebnisse und zitterst, dass nichts Schlimmes dabei herumkommt. Da war die Anspannung schon groß.“ Nach einem Kontroll-Marathon und zwei abschließenden Computertomografien war klar, dass sich keine weiteren Tumore gebildet hatten. „Ich hatte Glück im Unglück, dass der Krebs so früh erkannt wurde.“ Auch von einer Chemotherapie blieb Schimmelbauer verschont. Darüber sei er „doppelt froh“ gewesen, da auf der Krebs-Station des Hamburger Krankenhauses, in dem er operiert worden war, Corona ausgebrochen sei. „Da möchte man natürlich ungern mittendrin liegen.“ Schimmelbauer gilt nun als gesund, ein Restrisiko indes bleibt. In den nächsten beiden Jahren muss er vierteljährlich zur Blutuntersuchung, bei etwa zwölf Prozent liegt die Rückfallquote. „Sollte doch wieder irgendwo etwas auftauchen, müsste ich eine Chemo machen“, so Schimmelbauer. „Ich bin von Grund auf ein positiv denkender Mensch. Die zwölf Prozent nehme ich jetzt.“ Grob gerechnet, treffe es einen von zehn. „Das passt schon.“ Auch wenn ihn die Krebs-Diagnose nicht komplett aus den Schuhen katapultiert hat: Ein bisschen zum Nachdenken gebracht hat sie „Schimmel“ schon. „So etwas führt einem vor Augen, dass bei jedem Menschen immer etwas ums Eck kommen kann, das er nicht auf dem Zettel hat.“ Man dürfe sich nie zu sicher fühlen. „Ich war ja auch immer gesund und fit. Ich werde jedenfalls Vorsorgeuntersuchungen im weiteren Leben ernst nehmen.“ 

Sehr gefreut hat sich Tobias Schimmelbauer über die vielen Genesungswünsche, die ihn erreicht haben. „Über alle möglichen Kanäle, über Freunde, den Verein. Und von Leuten, die auch Krebs haben, und von denen man das gar nicht weiß.“ Im Zweitliga-Heimspiel des HSV Hamburg Anfang März gegen die SG BBM Bietigheim feierte der Linksaußen sein Tribünen-Comeback – und war berührt von einer „supercoolen Aktion“ der Bietigheimer Spieler: Sie wärmten sich in T-Shirts mit der Aufschrift „Alles Gute, Tobi“ auf. Er habe es nicht für nötig empfunden, so im Mittelpunkt zu stehen, schließlich sei es ihm zu der Zeit schon wieder gutgegangen, sagt Schimmelbauer. „Aber natürlich war das eine tolle Geste.“ Initiiert worden ist sie vom Bietigheimer Trainer Jon Jonsson, der vor ein paar Jahren selbst an Krebs erkrankt war. „Als meine Krankheit publik geworden war, hat mir Jon geschrieben, mir gute Besserung gewünscht und gesagt, ich könne mich bei ihm melden, wenn ich Fragen hätte.“ Auch Schimmelbauers ehemaliger Club, der TVB Stuttgart, hat über Instagram beste Genesungswünsche übermittelt. Die erste Enttäuschung, dass er nach der Saison 2018/2019 keinen Vertrag mehr bekommen hat beim TVB, hat sich bei Schimmelbauer längst gelegt. Kontakt zum Ex-Club habe er unter anderem mit Jürgen und Michael Schweikardt, Alex Heib, Manuel Späth und Simon Baumgarten. „Und natürlich mit Jogi, er ist ja quasi unser Nachbar. Wir wohnen etwa 300 Meter voneinander weg.“ Weilt Johannes Bitter nicht in Stuttgart, ist er bei seinen Kindern in Hamburg. Eine Stadt, in die sich auch der gebürtige Wiesbadener Schimmelbauer schnell verliebt hat. „Hamburg hat unheimlich viel zu bieten, das ist noch einmal eine andere Nummer als Stuttgart.“ Die unzähligen Parks seien perfekt, um den Hund auszuführen. „Es gibt viel Wasser, Restaurants bis zum Abwinken und unheimlich viel Kultur. Da kannst du jeden Abend locker aus 20 Veranstaltungen auswählen.“ 

Ex-Teamkollege Jogi Bitter ist Nachbar in Hamburg 

Theoretisch. Zurzeit nämlich ist wegen der Corona-Einschränkungen noch nicht einmal an ein gemeinsames Mannschaftstraining zu denken. Längst brennt Schimmelbauer darauf, in die Halle zurückzukehren und die Kollegen zu sehen. „Wir haben eine tolle Mannschaft und super Trainingsbedingungen. Was den Verein betrifft, kann ich nur Gutes berichten.“ Nach dem Wechsel vom TVB zum HSV habe er keinerlei Anpassungsprobleme gehabt. „Ich spiele ja auf denselben Positionen, vorne Linksaußen und in der Abwehr auf der Halbposition“, sagt er und lacht. Schimmelbauer soll mithelfen, dass der HSV wieder an alte Zeiten anknüpfen kann. Nachdem die Hamburger aufgrund finanzieller Turbulenzen Anfang 2016 den Bundesliga-Spielbetrieb eingestellt hatten, planen sie mittelfristig die Rückkehr in die Eliteklasse. Mit dem Aufstieg aus der dritten in die zweite Liga in der Saison 2017/2018 reichte es in der Spielzeit darauf zu Rang zwölf und in der nun abgebrochenen Saison zum achten Platz. Schimmelbauers Vertrag endet nach der kommenden Saison. „Wir können uns auf jeden Fall vorstellen, noch ein paar Jährchen hierzubleiben“, sagt er. Schimmelbauers Ehefrau Jessica hat rasch eine Anstellung als Architektin gefunden. Vielleicht kommt’s ja irgendwann zu einem Wiedersehen in der Scharrena oder Porsche-Arena. „Bis dahin möchte ich auf diesem Weg viele liebe Grüße an alle TVB-Fans und Bittenfelder schicken“, sagt Schimmelbauer. 

Zur Person 

Tobias Schimmelbauer wurde am 1. Juni 1987 in Wiesbaden geboren. Er ist mit Jessica verheiratet und hat an der Uni Stuttgart Sportwissenschaft studiert. In der Jugend und zunächst auch bei den Aktiven spielte der 1,99 Meter große Linksaußen bei der SG Wallau-Massenheim. 2009 wechselte „Schimmel“ zur HSG Frankfurt und nach einer Saison zum TV Bittenfeld. Mit dem TVB qualifizierte er sich 2011 für die eingleisige 2. Bundesliga und stieg mit ihm 2014/2015 in die 1. Bundesliga auf. Nach der Saison 2018/2019 erhielt er beim TVB keinen neuen Vertrag mehr und schloss sich dem Zweitligisten HSV Hamburg an. Schimmelbauers Teamkollegen sind die Ex-TVB-Spieler Jan Forstbauer und Jonas Maier. 

Quelle: Thomas Wagner/ZVW

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