Saisonrückblick 18/19

Tabellenplatz 15, nur drei Teams hat der TVB 1898 Stuttgart in seiner vierten Erstliga-Saison hinter sich gelassen. „Wenn wir nur die Zahlen betrachten, stagnieren wir“, sagt Jürgen Schweikardt. Trotz der ernüchternden Bilanz zieht der Trainer und Geschäftsführer ein positives Fazit. „Wir wollten früh nichts mit dem Abstieg zu tun haben und uns dem Mittelfeld annähern. Beides ist uns gelungen.“

Der TVB scheint in der ersten Liga ein Abonnement auf die Tabellenränge 14 und 15 abgeschlossen zu haben. In der schwierigen Premieren-Saison verhinderte bei nur 14 Punkten die Insolvenz des HSV Hamburg den sofortigen Wiederabstieg. Im zweiten Jahr hamsterte der TVB immerhin 23 Zähler, 2017/2018 standen 20 auf der Habenseite. Jeweils sechs Punkte Polster hatten die Bittenfelder dabei auf die Abstiegsränge. Neun sind’s in der am Sonntag zu Ende gegangenen Spielzeit. Über 23 Punkte und Rang 15 indes kam der TVB auch im vierten Jahr nicht hinaus, er kassierte zudem die meisten Gegentreffer aller 18 Teams. Tritt der TVB also auf der Stelle?

Schweikardt: „Die Entwicklung stimmt“

„Bei der Analyse ausschließlich die Tabelle als Maßstab heranzuziehen, wäre zu kurz gedacht“, sagt Jürgen Schweikardt, Trainer und Geschäftsführer in Personalunion beim TVB. Der viertletzte Platz, die Punktausbeute und die Negativserie von acht sieglosen Spielen im letzten Viertel der Saison schmecken dem doppelten Schweikardt nicht. Schließlich wäre viel mehr möglich gewesen in einer Saison, die sich besser anfühlte, als es die Tabelle am Ende widerspiegelt. „Auch wenn es nicht so aussieht: Die Entwicklung stimmt“, sagt Schweikardt.

Der TVB kam – nach dem überraschenden Erstrunden-Pokalaus gegen den Zweitligisten Rimpar Wölfe – ordentlich aus den Startlöchern. Dem Auftaktsieg in Leipzig und der einkalkulierten Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen folgte der Heimerfolg gegen die HSG Wetzlar. Anschließend indes blieb der TVB sechs Spiele ohne Sieg, kassierte beim 25:38 in Minden eine böse Schlappe.

Beste Bundesliga-Hinrunde für den TVB

Bei 5:13 Punkten machte sich bereits ein bisschen Frust breit, doch der TVB berappelte sich – und wie: Er zwang Hannover in die Knie und schnappte sich überraschend die Punkte beim Top-Team Füchse Berlin. Spektakulär waren dabei die Auftritte von Michael Kraus, der in beiden Spielen insgesamt 29-mal traf.

Der TVB holte anschließend wichtige Punkte gegen Melsungen sowie Bietigheim und schloss seine beste Bundesliga-Hinrunde mit 13 Punkten und sieben Zählern Polster auf die Abstiegsränge ab. Dass das Team dabei auch ohne Kraus zurecht kam, er fehlte wegen eines Handbruchs für sechs Spiele, stärkte das Selbstvertrauen zusätzlich. Mit dem 31:30-Sieg gegen Gummersbach an Weihnachten vergrößerte sich der Abstand nach hinten zur WM-Pause auf beruhigende neun Punkte.
Nach der Auftaktpleite in Hannover kam der TVB rasch in die Spur, schlug Lemgo – und ließ in Anbetracht der komfortablen Tabellensituation Kraus kurz vor dem Ende der Wechselfrist zum Konkurrenten Bietigheim ziehen. Negative Auswirkungen indes hatte diese personelle Schwächung zunächst nicht, der TVB präsentierte sich in den folgenden Wochen sehr stabil. Nach dem überzeugenden 28:19-Derbysieg in Bietigheim war der Ligaverbleib zehn Spieltage vor Schluss mehr oder weniger perfekt.

Zwei unglückliche Ein-Tore-Niederlagen

Das 27:30 gegen den Vizemeister THW Kiel, nach einer starken Leistung, bedeutete die erste Heimniederlage nach vier Monaten. Mit dem 26:24-Sieg in Melsungen hatte der TVB 22 Punkte gesammelt und kletterte auf Rang elf. Es war jedoch bereits der letzte Sieg der Saison – trotz weiterer überzeugender Auftritte. Spielpech, Verletzungen und vielleicht auch das letzte Quäntchen Biss verhinderten eine bessere Platzierung und die Rekordpunktzahl.

„Bis Ende März hatten wir unser Soll übererfüllt“, sagt Schweikardt. Die beiden extrem unglücklichen Ein-Tore-Niederlagen gegen Berlin und beim Bergischen HC seien, im Nachhinein betrachtet, der Knackpunkt gewesen. „Das waren mit unsere besten Saisonspiele.“ Am Ende habe auch die Psychologie eine Rolle gespielt, auch die Leistung einzelner Spieler sei nicht mehr so stabil gewesen.

Einen Vorwurf macht Schweikardt seinem Team aber nicht. „Wir wollten früh Planungssicherheit und uns dem Mittelfeld annähern.“ Vier Punkte fehlen zu Rang elf, der wäre mit ein bisschen mehr Glück locker drin gewesen. Im Vorjahr hatte der Abstand noch zehn Punkte betragen. „Deshalb sind wir zufrieden mit der Saison, die im Übrigen auch finanziell sehr gut war.“

Wichtig sei auch gewesen, dass der TVB bereits während der Saison den Umbruch eingeleitet habe. Nach Kraus’ Abgang musste Max Häfner auf der Spielmacher-Position mehr Verantwortung übernehmen und erledigte diese Aufgabe ebenso gut wie der junge Sascha Pfattheicher auf Rechtsaußen. In den Vordergrund spielte sich auch David Schmidt. Der Linkshänder im rechten Rückraum, der vor der Saison von den Eulen Ludwigshafen zum TVB gewechselt war, wurde von Bundestrainer Christian Prokop zu den anstehenden Länderspielen eingeladen. Wegen einer Leistenverletzung musste der 25-Jährige allerdings absagen.

Sieben Spieler haben TVB verlassen

Bis zum Start der Vorbereitung soll Schmidt wieder fit sein, ebenso wie der Langzeitverletzte Robert Markotic und Samuel Röthlisberger, der sich im letzten Spiel einen Muskelanriss im linken Arm zuzog. Länger gedulden muss sich einer der sechs Neuzugänge: Rudolf Faluvegi ist nach einem Bänderriss am Knöchel in Stuttgart operiert worden. „Das ist die erste Hypothek, die wir in die neue Saison mitnehmen“, sagt Schweikardt.

Eine Spielzeit, die mit vielen Fragezeichen versehen ist. Gleich sieben Spieler haben den TVB verlassen: Simon Baumgarten bleibt dem TVB erhalten und spielt in der kommenden Saison beim TVB II. Michael Schweikardt wird Trainer beim TSB Heilbronn-Horkheim. Für Tobias Schimmelbauer geht es zum HSV Hamburg, Bobby Schagen wechselt zum TBV Lemgo und Jonas Maier wird für die SG BBM Bietigheim spielen. Lukas von Deschwanden verschlägt es nach Frankreich zu Chambéry Savoie und Florian Burmeister wechselt zur HG Oftersheim-Schwetzingen.

Sechs neue Spieler kommen nach Stuttgart

„Eine Fluktuation hatten wir früher auch schon“, so Schweikardt. Der große Unterschied dieses Mal sei, dass der TVB Spieler verliere, die wichtige Rollen eingenommen hätten im Gefüge der Mannschaft. „Und einige waren das Gesicht des TVB.“

Bei aller Wehmut sei der Umbruch auch eine Chance für die jüngeren und die neuen Spieler, in diese Rollen zu schlüpfen. „Ich freue mich auf neue Persönlichkeiten, die darauf brennen, für den TVB zu spielen. Und ich hoffe, dass die Fans neugierig sind, unseren Weg mitgehen und Geduld haben mit dem Team.“ Neu hinzu kommen: Elvars Asgeirsson (UMF Afturelding), Patrick Zieker (TBV Lemgo), Adam Lönn (HK Malmö), Rudolf Faluvegi (Cesson-Rennes Métropole HB), Zarko Pesevski (HK Motor Saporischschja), Tim Wieling (TSV Bayer Dormagen). Zweifelsfrei stehe der TVB vor einer großen Herausforderung und gehe ein Risiko ein. „Aber ohne Risiko werden wir nicht vorankommen.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW

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