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Leipzig

Vorbericht

Liebe Handballfreunde,

zum heutigen Heimspiel in der LIQUI MOLY-HBL gegen den SC DHfK Leipzig heißt Sie der TVB Stuttgart recht herzlich willkommen. Begrüßen wollen wir hier in der Porsche-Arena auch die Mannschaft aus der Messestadt sowie die mitgereisten Anhänger des Teams aus Sachsen. Grüß Gott sagen wir auch den beiden Schiedsrichtern der heutigen Partie. Wir wünschen ihnen ein glückliches Händchen und „gut Pfiff“.

Die Pause während der Europameisterschaft in Norwegen, Österreich und Schweden ist vorüber. Mit Johannes Bitter, David Schmidt und Patrick Zieker stellte der TVB Stuttgart gleich drei Spieler ab zu diesem Großereignis. Alle haben ihren Teil zum positiven Abschneiden der deutschen Handballer beigetragen. Am besten machte es Torhüter „Jogi“ Bitter, der sich zu wahren Weltklasseleistungen aufschwang und zweimal (Österreich und Tschechien) zum Mann des Spiels auserkoren wurde. Aber auch er konnte zuvor die knappe 24:25 Niederlage gegen Kroatien nicht verhindern. Handball-Deutschland stand unter Schock, genauso wie die über 6000 Besucher in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena nach der 30:31 Niederlage der WILD BOYS gegen die Berliner Füchse. Gerade hatte die Mannschaft von Trainer Jürgen Schweikardt noch ausgeglichen und damit für beste Stimmung unter den Zuschauern auf den Tribünen gesorgt, dann schlugen die Berliner eiskalt zurück. Hans Lindberg nutzte eine Unachtsamkeit der Gastgeber zum finalen Treffer in letzter Sekunde. Der Rest war Schweigen – Schockstarre eben.

Spannung pur auch im Kampf um den Klassenerhalt in der LIQUI MOLY-HBL. Die Eulen Ludwigshafen entschieden das Duell der beiden Tabellenletzten in Nordhorn mit 21:19 zu ihren Gunsten und sind nun nach Pluspunkten gleichgezogen mit dem TVB Stuttgart. Durch diesen Erfolg beim Schlusslicht haben die Pfälzer die WILD BOYS gegen Leipzig gewaltig unter Zugzwang gesetzt, da der TVB Stuttgart seine Partie in Lemgo mit 27:23 verlor. Dabei konnten die Gäste, die nicht auf ihren kompletten Kader zurückgreifen konnten, nur bis zum 7:7 mithalten, dann zog Lemgo gestützt auf eine starke Abwehr und Torhüter Peter Johannesson auf 10:7 davon. Beim 15:11 wurden die Seiten gewechselt. Auch nach der Pause konnte der TVB Stuttgart nicht mehr verkürzen. Im Gegenteil, der Vorsprung der Lipperländer wuchs auf 22:16 an. Jürgen Schweikardt versuchte, mit dem siebten Feldspieler das Blatt noch zu wenden. Doch ohne Erfolg. „Unsere Angriffsleistung war einfach zu schwach“, räumte TVB-Coach Jürgen Schweikardt ein. 

Heute kommt mit Leipzig eine Mannschaft, die mit 22:20 Zählern jenseits von Gut und Böse steht. Sowohl mit dem Abstieg als auch mit der Meisterschaft haben die Sachsen nichts mehr zu tun, können also völlig befreit in der Porsche-Arena aufspielen. Und wie gut die Leipziger damit umgehen, das bekam vor Wochenfrist auch der HC Erlangen zu spüren, der in der Arena Leipzig chancenlos war und deutlich mit 26:21 unterlag, wobei Torhüter Jens Vortmann mit 14 Paraden den Franken den Zahn zog. Damit ist die Mannschaft von Trainer André Haber mit 22:20 Zählern auf dem neunten Rang angekommen. Aber in der Messestadt interessiert der Blick auf die Tabelle nur zweitrangig. Die Vision der Sachsen ist wieder Europa. Dafür haben sie vor der Saison ihre Mannschaft auf einigen Positionen verändert.  Mit Joel Birlehm und Juniorennationalspieler Luca Witzke kamen zwei große Talente in die Messestadt. Philipp Müller bringt von Melsungen einige Jahre Erstliga-Erfahrung nach Sachsen, während der Kroate Marko Mamic und der Isländer Viggó Kristjánsson für internationales Flair im Team des SC DHfK Leipzig sorgen. Auf eine gute Europameisterschaft kann auch Rückraumspieler Philipp Weber zurückblicken, der zu den auffälligsten Akteuren im Team von Bundestrainer Christian Prokop zählte und einen sehr guten Eindruck hinterließ.

Nach dem Erfolg der Eulen Ludwigshafen in Nordhorn ist der TVB Stuttgart nun punktgleich mit den Pfälzern. Damit sind die WILD BOYS nun endgültig im Kampf um den Klassenerhalt angekommen. Im heutigen Heimspiel gegen Leipzig ist daher ein Sieg fast schon Pflicht. Daher benötigen die WILD BOYS die Unterstützung ihrer Anhänger mehr denn je.  „Nur mit dem Publikum im Rücken können wir diese Partie gegen die starke Gastmannschaft für uns entscheiden“, setzt TVB Geschäftsführer und Trainer Jürgen Schweikardt voll auf die lautstark mitgehenden Zuschauer in der Porsche-Arena. Und Torhüter und Kapitän Johannes „Jogi“ Bitter ergänzt: „Die Trendwende gelingt nur mit Ihnen, liebe Zuschauer.“ Zuvor kann das Publikum auch einen neuen Spieler in Stuttgart willkommen heißen. Alexander Schulze kommt zunächst mit einem Doppelspielrecht vom Drittligisten TuS Dansenberg und soll Patrick Zieker auf der Linksaußenposition entlasten. 

Freuen Sie sich heute auf ein spannendes und faires Handballspiel.

Ihr Joachim Gröser

Trainerinterview

 

Herr Haber, Gratulation zum Sieg gegen Erlangen. Sie mussten noch nie in der Vorbereitung auf so viele Spieler verzichten wie während dieser Europameisterschaft. Wie angespannt waren Sie vor dem Start ins erste Bundesligaspiel des Jahres 2020 und wie erleichtert waren Sie nach dem Sieg?

Ich habe es tatsächlich gemerkt, dass die Anspannung vor dem ersten Spiel in diesem Jahr anders war. Natürlich haben wir in der Vorbereitung wie gewohnt Gas gegeben, jedoch konnten wir daraus nicht die richtigen Schlüsse ziehen. Deshalb hat es vor dem ersten Spiel etwas mehr gekribbelt. Das kann ich durchaus so sagen. Außerdem sind wir natürlich sehr erleichtert, dass wir das Spiel gewinnen konnten, wobei wir meiner Meinung nach hinsichtlich der Personalsituation eine größere Bürde als Erlangen zu tragen hatten.

Das Hinspiel gegen Erlangen hat erst im Dezember stattgefunden. Sie mussten damals eine Niederlage einstecken. Was hat Ihre Mannschaft dieses Mal besser gemacht und sehen Sie in diesem Bereich grundsätzlich eine Weiterentwicklung Ihrer Mannschaft?

Ich denke, dass das Spiel grundsätzlich ähnlich war, wie das Aufeinandertreffen im Dezember. Beide Abwehrreihen haben das Spiel geprägt, wobei wir das Torhüterplus mit Jens Vortmann auf unserer Seite hatten, der ein gutes Spiel gemacht hat. Zusätzlich haben wir schlussendlich gewonnen, weil wir im Angriff ein paar Fehler weniger gemacht haben.

Der SC DHfK Leipzig steht aktuell auf dem neunten, einem einstelligen Tabellenplatz in der Liqui-Moly-HBL. Wie sieht Ihre Zielsetzung für den zweiten Teil der Saison aus?

Wir möchten natürlich mindestens diesen neunten Tabellenplatz verteidigen. Dabei ist mir wichtig, dass wir in der Rückrunde versuchen so viele Punkte wie möglich zu holen. Ein Freund von anvisierten Punktzahlen als Saisonziel bin ich nicht. Es geht also wirklich darum, dass wir uns weiter stabilisieren, kontinuierlich punkten und dann schauen, ob wir im Kampf um die Plätze zum Beispiel gegen Wetzlar noch den einen oder anderen Tabellenplatz gutmachen können.

Unsere Wild Boys liegen punktgleich mit den Eulen Ludwigshafen auf dem 16. Tabellenplatz und sind in heimischer Halle unter Zugzwang. Mit welchen Ambitionen fahren Sie nach Stuttgart und wo sehen Sie die Favoritenrolle im Spiel Neunter gegen den Sechzehnten?

Mit der Favoritenrolle in Einzelspielen der Handballbundesliga tue ich mich schwer, denn da haben mich die letzten Jahre gelehrt, dass diese häufig nicht aussagekräftig ist. Somit ist die Favoritenrolle für mich unbedeutend. Wir wollen in Stuttgart gewinnen. Das ist unser Ziel, welches mit Sicherheit schwer wird zu erreichen. Wir wissen aus den unzähligen Partien der vergangenen Jahre, dass die Spiele in Stuttgart häufig hart umkämpft waren. Wir kennen die Mannschaft und die Halle sehr gut und ich bin gespannt, ob wir dann stabil genug auftreten, um das Spiel zu gewinnen.

Ein Teil des Videostudium der Wild Boys konnten Sie während der EM bei Spielen der deutschen Mannschaft vor dem Fernseher durchführen. Erstmals überhaupt waren drei TVBler für die Nationalmannschaft nominiert. Wie schätzen Sie die Stuttgarter Mannschaft ein und was wird für Ihre Mannschaft der Schlüssel zum Sieg in Stuttgart sein?

Stuttgart ist eine Mannschaft die immer kämpft und auch vom Kampfgeist lebt. Ich denke, dass die Mannschaft nach dem Umbruch vor der Saison mittlerweile bereits gut zusammengewachsen ist. Das ist immer eine große Aufgabe für den Trainer das Team zu formen und für die Mannschaft sich zu finden. Jedoch denke ich, dass dieser Prozess bereits Früchte trägt, wie man zum Beispiel auch im Pokalspiel gegen Kiel bei der knappen Niederlage sehen konnte. In der Vergangenheit waren die Duelle zwischen unseren Mannschaften häufig hitzig. Deshalb denke ich für uns, dass es wichtig sein wird, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir müssen versuchen, dass wir sportlich den Unterschied machen, denn das wird am Ende meiner Meinung nach entscheiden.

Spielbericht

 

Dank einer Leistungssteigerung im zweiten Spielabschnitt hat sich der Handball-Erstligist TVB Stuttgart vor 5422 Fans in der Porsche-Arena gegen den SC DHfK Leipzig beim 25:25 (12:14) einen Punkt erkämpft. Teuer allerdings, denn der bis dahin zusammen mit Torhüter Johannes Bitter überragende David Schmidt musste fünf Minuten vor dem Ende mit einem ausgekugelten Finger – inklusive Fleischwunde – vom Platz und wird in den nächsten Spielen fehlen.

Welche Bedeutung der Linkshänder für den TVB hat, wurde am Sonntag wieder einmal deutlich: Dem Neu-Nationalspieler gelang zwar nicht alles, doch ohne den achtfachen Torschützen wäre der TVB als Verlierer aus der Halle gegangen. Mitentscheidend war zudem, dass Bitter das Torhüterduell gegen Jens Vortmann und Joel Birlehm klar gewann.

Die schwache Leistung in Lemgo steckte dem TVB im ersten Spielabschnitt in den Kleidern. Nach der 1:0-Führung durch Adam Lönn, es sollte die letzte sein für lange Zeit, leistete sich das Heimteam ein Stürmerfoul und zwei technische Fehler. Nach acht Minuten brachte Philipp Weber die Leipziger mit 5:3 in Führung, dann gab’s die erste Schrecksekunde für den TVB: Patrick Zieker blieb nach einem Angriff auf dem Boden liegen.

Zum Glück konnte er weitermachen, eine Alternative auf Linksaußen gab’s nämlich nicht: Der erst kürzlich per Zweifachspielrecht verpflichtete Alexander Schulze hatte sich tags zuvor am Oberschenkel verletzt.

Nach dem 3:6-Rückstand (9.) glich der TVB zwar zum 6:6 aus (13.), die Probleme indes waren offensichtlich: Es klemmte vor allem im Rückraum. Weil auch Robert Markotic wegen einer Knöchelverletzung ausfiel, ruhte die Last im Rückraum wieder einmal auf David Schmidt. Dominik Weiß suchte zu selten die Tiefe. Adam Lönn bemühte sich zwar im zweiten Spiel nach seiner langen Verletzungspause, doch der Schwede hat noch nicht seine alte Durchschlagskraft. Auf der Spielmacherposition leistete sich Rudolf Faluvégi zu viele Fehler, und auch Max Häfner hatte seine Probleme. Zarko Pesevski jedenfalls hing am Kreis völlig in der Luft.

Die Gäste zogen beim 9:6 (15.) wieder davon – und mussten dafür gar nicht besonders viel investieren. Erschwerend hinzu kam für den TVB, dass die Schiedsrichter Ramesh und Suresh Thiyagarajah nicht ihren besten Tag erwischten und sehr kleinlich pfiffen – häufig zuungunsten der Stuttgarter. So schickten die Referees Bitter wegen Meckerns für zwei Minuten auf die Bank (18.).

Irgendwie lief fortan alles gegen das Heimteam. Leipzig nutzte die Abspielfehler des Gegners und konterte zur 12:7-Führung nach 20 Minuten. Der TVB wirkte in dieser Phase wie gelähmt. Einzig Bitter und Schmidt ließen sich nicht anstecken. Doch als sich auch bei Leipzig Fehler einschlichen, verkürzte der TVB zum 12:14-Halbzeitstand – und damit war er gut bedient.

Mit einer ganz anderen Körpersprache kehrte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt aus der Kabine zurück. Die Abwehr biss sich ins Spiel, Leipzig bekam Probleme im Positionsangriff und musste auch in der Defensive mehr arbeiten. Zieker traf beim 16:16 (34.) zum ersten Ausgleich seit dem 6:6. Fehlerbehaftet war das Spiel des TVB weiterhin, weshalb die Gäste auch immer wieder vorlegten. Trotzdem: Es war nun eine ausgeglichene, hart umkämpfte Partie.

Nach einer tollen Parade von Bitter erzielte Weiß beim 21:20 (48.) die erste Führung seit dem 1:0. Die war jedoch rasch wieder futsch (21:22). Zieker vergab die Chance zur Führung, er scheiterte zum zweiten Mal per Strafwurf am ansonsten schwachen Vortmann. Dann fasste sich Häfner ein Herz (23:22/56.). Maciej Gebala glich aus zum 23:23, im Anschluss scheiterte Sascha Pfattheicher frei vor SC-Keeper Joel Birlehm. Erneut Gebala brachte die Gäste vom Kreis beim 24:23 in Vorteil.

134 Sekunden blieben dem TVB nach einer Auszeit noch, Lönn überraschte Birlehm zum 24:24. Weber ließ 20 Sekunden vor dem Ende die Hoffnungen der Fans mit einem verdeckten Wurf zum 24:25 schwinden. Vier Sekunden vor der Sirene beförderte Weiß den Ball mit dem finalen Wurf zum 25:25-Endstand ins lange Ende.

Vor dem Spiel wäre der TVB mit dem einen Punkt wohl nicht zufrieden gewesen, angesichts des Spielverlaufs darf er sich nicht beklagen. Schlimmer als der Punktverlust, falls es einer war, dürfte die Stuttgarter die Verletzung von David Schmidt treffen.

TVB Stuttgart: Bitter (1), Hummel; Häfner (2), Asgeirsson, Weiß (4), Faluvégi (2), Späth (1), Lönn (3), Röthlisberger, Foege, Zieker (4/1), Pfattheicher, Pesevski, Schmidt (8), Wieling.

SC DHfK Leipzig: Vortmann, Birlehm; Wiesmach (1), Witzke (1) Krzikalla (3/1), Binder (5), Janke, Müller (1), Roscheck, Weber (6), Mamic, Remke (1), Gebala (3), Milosevic (4), Santos.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW