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Vorbericht

Liebe Handballfreunde,

zum Heimspiel in der LIQUI MOLY HBL gegen die Füchse Berlin heißt Sie der TVB Stuttgart recht herzlich willkommen. Begrüßen wollen wir hier in der Porsche Arena auch die Mannschaft aus der deutschen Hauptstadt sowie die mitgereisten Anhänger des Teams von der Spree. Grüß Gott sagen wir auch den beiden Schiedsrichtern der heutigen Partie. Wir wünschen ihnen ein glückliches Händchen und „gut Pfiff“.

Der TVB Stuttgart ärgerte den THW Kiel bis weit in die zweite Halbzeit hinein. Aber am Ende machten die Superstars des Champions League-Teilnehmers und Tabellenführers der LIQUI MOLY HBL den Unterschied. Der Weltmeister Niklas Landlin im Tor war gleich zu Beginn auf Betriebstemperatur und machte nacheinander die Würfe von Sascha Pfattheicher, Adam Lönn und Patrick Zieker weg. Kiel nutzte dies und zog auf 4:9 weg. In der zweiten Halbzeit berappelte sich die Heimmannschaft und kämpfte sich noch einmal auf 18:19 heran. Die 6.211 Zuschauer in der ausverkauften Porsche Arena waren nun natürlich aus dem Häuschen und feuerten ihren TVB lautstark an. „Biddafeld, Biddafeld“, war jetzt im weiten Rund zu hören. Aber genau zu diesem Zeitpunkt nahm Kiels Regisseur Domagoj Duvnjak das Heft in die Hand, bediente entweder den Rückraum oder sein Pass fand den Kreisläufer. Dieser Extraklasse der Kieler hatten die Hausherren in den restlichen Minuten nichts mehr entgegenzusetzen, wenngleich „Jogi“ Bitter im Tor das Duell gegen Landlin nur um Nuancen verlor. Kiels Trainer Filip Jicha sprach hinterher in Anbetracht des guten Laufs der WILD BOYS von großem Respekt, mit dem man nach Stuttgart gefahren sei. TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt wird’s gerne vernommen haben.

Bereits vor dem Heimspiel gegen die „Zebras“ hatte der TVB Stuttgart die mit deutschen Nationalspielern gespickte MT Melsungen zu Gast und gewann nach einer Bravourleistung mit 31:28. Matchwinner waren besonders Sascha Pfattheicher und Dominik Weiß, die zusammen 17 Treffer beisteuerten, sowie Johannes „Jogi“ Bitter. „Jogi hat unsere Aufholjagd abrupt beendet“, lobte Melsungens Trainer Heiko Grimm  den Schlussmann der Stuttgarter.

Am 17. Spieltag gab es neben dem Kieler Sieg in Stuttgart insgesamt drei weitere Auswärtssiege. Besonders überraschend das 29:26 der HSG Wetzlar in Leipzig und der knappe 23:24 Erfolg des SC Magdeburg beim Bergischen HC. Lediglich Frisch Auf Göppingen kam zu einem Heimsieg gegen die HSG Nordhorn Lingen, wobei das 28:26 auf ein ganz enges Spiel hindeutet. Von der Spitze grüßt seit Sonntag wieder der THW Kiel vor der SG Flensburg-Handewitt und der TSV Hannover-Burgdorf. Je zwei Zähler dahinter folgen der SC Magdeburg, die Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin.

Damit ist klar, dass die Gäste alles in die Waagschale werfen werden, um in Stuttgart zu gewinnen und dadurch die Nähe zur Spitze nicht abreißen zu lassen. „Das wird auf jeden Fall ein sehr intensives Spiel“, verspricht TVB-Coach Jürgen Schweikardt. Er will mit seiner Mannschaft auf jeden Fall schnell weg von den gefährdeten Teams, um später vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein. Und die WILD BOYS sind jetzt eingespielt, die Automatismen greifen immer besser, die Spielzüge laufen und die Kreisanspiele werden immer sicherer. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, stellt auch Mannschaftskapitän Johannes „Jogi“ Bitter fest. Das wurde besonders bei den vier Siegen in Folge deutlich.

Die Berliner werden aber den TVB Stuttgart sicher vor eine harte Probe stellen. Der Ausgang ist wie in den letzten Jahren zuvor sicherlich ungewiss. Besonders in Erinnerung ist den TVB-Anhängern noch das 26:26 gegen die Berliner im Weihnachtsspiel mit einer wahnsinnigen Atmosphäre. Aber das ist Schnee von gestern. Heuer muss sich das Berliner Team nach dem Pokal-Aus in Hannover auf die Bundesliga konzentrieren. „Wir werden hier weiterhin Gas geben“, verspricht Abwehrchef Jakov Gojun. Und im Berliner Tempo musste auch der THW Kiel beim 28:29 die Segel streichen. Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Geschäftsführer Bob Hanning basteln mittlerweile schon an der Mannschaft für die kommende Saison. Die Rückraumspieler Marian Michalczik und Lasse Andersson sowie Linksaußen Milos Vujovic werden die Füchse nächste Runde verstärken. Dabei müssen die Hauptstädter aber ab der Spielzeit 2020/21 auf Nationaltorhüter Silvio Heinevetter verzichten, der zur MT Melsungen wechseln wird.

Aktuell ist der Gästekader auch schon ausgezeichnet besetzt. Paul Drux, Simon Ernst, Fabian Wiede und der bereits oben erwähnte Silvio Heinevetter gehören zum Kader von Christian Prokop. Dazu kommen noch einige ausländische Spieler, die das Spiel der Berliner prägen. Trainer der Mannschaft ist der in württembergischen Handballkreisen nicht unbekannte Velimir Petkovic. „Wir müssen auf jeden Fall einen Super-Tag erwischen, um die Füchse ärgern zu können“, weiß auch TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.    

Freuen Sie sich heute auf ein spannendes und faires Handballspiel.

Ihr Joachim Gröser

Trainerinterview

Herr Petkovic, die LIQUI MOLY HBL präsentiert sich in dieser Saison an der Spitze so ausgeglichen wie nie. Welches Team ist für Sie der Favorit auf den Meistertitel oder sehen Sie alle diese Mannschaften auf demselben Niveau?

Ich denke schon, dass Kiel und Flensburg Vorteile hinsichtlich der Qualität der Mannschaft haben. Die Kader dieser beiden Mannschaften sind in der Breite besser besetzt. Das müssen wir anerkennen. Die anderen Mannschaften, inklusive unserer Mannschaft, sind da vielleicht einen halben Schritt dahinter.

Nachdem Ihre Mannschaft zu Beginn der Saison einige Punkte liegen hat lassen, konnten Sie zuletzt gegen die Topteams Rhein Neckar Löwen, Magdeburg, Melsungen und Kiel allesamt gewinnen. Welche Entwicklung hat Ihre Mannschaft im Laufe dieser Saison genommen?

Die Entwicklung meiner Mannschaft im Laufe der Vorrunde ist phänomenal. Wir haben zu Beginn der Saison Probleme gehabt. Bei uns sind vier langzeitverletzte Spieler von sehr langen Pausen zurückgekommen und das weiß jeder, dass dies dann Zeit benötigt. So kann es dann zu den Niederlagen wie gegen Minden zuhause und in Balingen kommen, obwohl diese Mannschaften auch zeigen, wie stark die Liga ist. Zuletzt aber haben wir nun fast alle Topspiele gewonnen, was mich sehr freut, weil die Mannschaft zusammensteht, obwohl es bekannt ist, dass ich nach der Saison nicht mehr Trainer in Berlin sein werde. Das spricht für den Charakter der Mannschaft.

In welchem Bereich sehen Sie bei Ihrer Mannschaft weiteres Steigerungspotential, um bis zum Ende der Saison ganz vorne dabei zu bleiben?

Für mich hängt dies vorallem davon ab, wie es mit Verletzungen weitergeht. Wenn bei uns verletzte Spieler zurückkommen, wird sich zeigen, was möglich ist. Wir geben nicht auf, werden kämpfen und dann schauen wir von Spiel zu Spiel. Wir sehen auch bei anderen Mannschaften, dass wenn sich wichtige Spieler verletzten, dies einen großen Einfluss haben kann und diese nicht so leicht zu ersetzen sind.

Im letzten Spiel des Jahres treffen Sie auf unsere Wild Boys. Im November und Dezember haben fast alle Mannschaften ein mörderisches Programm mit sehr vielen Spielen. Welche Akzente können Sie als Trainer in solch einer Phase der Saison überhaupt noch setzen?

Ich versuche, dass meine Spieler die Konzentration bis zum letzten Spiel gegen Stuttgart hoch halten. Es ist für mich nicht wichtig, wie viele Spiele wir noch haben. Ich habe genug Erfahrung und kann die Abläufe auch über die Feiertage gut organisieren. Ich mache meinen Spielern klar, dass wer zuhause gegen Kiel oder auch in Magdeburg gewinnt, unbedingt auch in Stuttgart angreifen muss, denn diese Mannschaft muss in jeder Halle in Deutschland Punkte holen.

Die Europameisterschaft bietet viel Handball im Januar. Versuchen Sie die Entwicklungen im Handball dort genau aufzunehmen und neue Spieler zu sichten oder schauen Sie die Spiele eher entspannt als Fan mit weniger professionellem Ehrgeiz. Wie verfolgen Sie das Turnier?

Ich werde das Turnier so verfolgen wie in den letzten 10 bis 15 Jahren auch. Ich werde in der Zwischenrunde einen kurzen Besuch machen, während dem ich in kurzer Zeit fast alle Mannschaften live sehen kann. So kann ich auch Kontakte pflegen. Die Finalspiele schaue ich dann gemütlich zu Hause und genieße den Handball.

Die EM-Pause in der LIQUI MOLY HBL ist für die Nationalspieler keine Erholungsphase. Den Vereinstrainern steht nur ein dezimierter Kader zur Verfügung. Wie planen Sie den Jahreswechsel und die Vorbereitung der Rückrunde?

Auch diese Phase ist bei mir immer gleich. Wir stellen viele Spieler ab. Somit nutze ich die Zeit mit den anderen Spielern, um an der individuellen Qualität zu arbeiten. Außerdem nutze ich die Unterstützung der zweiten Mannschaft oder der A-Jugend, um auch taktische Dinge zu trainieren. Aber hauptsächlich ist es Zeit die individuelle Klasse zu verbessern, denn das ist auch später bei mir ausschlaggebend, wenn ich die komplette Mannschaft zur Verfügung habe.

 

Spielbericht

Verletzungsbedingt musste der TVB erneut auf Adam Lönn verzichten. Ansonsten konnte Trainer Jürgen Schweikardt auf seinen restlichen Kader voll zurückgreifen.

Das erste Tor gelang den Gästen aus Berlin nach einem technischem Fehler der Stuttgarter. Dominik Weiß konnte aber direkt ausgleichen. Paul Drux von den Gästen und David Schmidt trafen zum 2:2. Die ersten Minuten deuteten ein spannendes Spiel an. Rudi Faluvégi musste in den ersten Spielminuten bereits aufgrund einer blutenden Platzwunde am Kopf zur Behandlung in die Kabine.

Trotz einer Parade von Bitter konnten die Gäste in der 9. Spielminute mit 3:5 in Führung gehen. Durch den erfolgreichen Gegenstoß von Marko Kopljar bauten die Gäste die Führung auf drei Tore aus, ehe Zieker per Strafwurf auf 4:6 verkürzen konnte. Während Schmidt zum Anschlusstreffer einnetzte, parierte Bitter den nächsten Angriff der Gäste. Zieker traf erneut vom Siebenmeterpunkt und glich damit erneut aus. In der 17. Spielminute gingen die WILD BOYS mit 7:6 in Führung. Trotz Unterzahl traf Elvar Asgeirsson aus dem Rückraum und damit blieb die Führung bei Stuttgart.

Nach 21 gespielten Minuten zeigte die Anzeigetafel ein ausgeglichenes 9:9. Ein stark aufspielender Bitter parierte zum fünften Mal den Berliner Angriff, was Tim Wieling über die erste Welle nutzen konnte. Die Gäste zogen nach und so stand es drei Minuten vor der Halbzeit 12:12. Durch einen Doppelschlag von Zieker, einem Zauberwurf von Weiß und einer kämpferischen Abwehrleitung ging der TVB beim Spielstand von 16:13 in die Kabinen.

Der zweite Durchgang begann für den TVB mit einem Tor durch Schmidt. Nach drei gespielten Minuten führte der TVB mit 19:14. Drux konnte in Überzahl aus Sicht der Gäste erneut verkürzen. Durch Tore von Wiede und Drux gelang Berlin schließlich der Anschlusstreffer zum 20:19. Jürgen Schweikardt unterbach die Partie in der 40. Spielminute mit seiner ersten Auszeitkarte. Im Verlauf des Spiels schlichen sich auf beiden Seiten Fehler ein. Die Berliner nutzten die Phase der Stuttgarter und verkürzten erneut auf 21:20. Weiß zeigte Nervenstärke und netzte das vierte Mal in Folge zum 24:22 in der 44. Spielminute ein. Martin Ziemer, Torhüter der Gäste, traf nach Ballverlust der WILD BOYS auf das leere Tor der Stuttgarter und glich die Partie in der 48. Spielminute aus.

In der 50. Minute übernahm Berlin die Führung durch einen Tempogegenstoß, die Schmidt aus dem Rückraum gleich zweimal ausgleichen konnte. In der 54 Spielminute führten die Gäste mit 27:28. Max Häfner erzielte den Anschlusstreffer in der 57. Spielminute. Schmidt gleich mit seinem achten Treffer aus. 90 Sekunden vor Abpfiff stand es 31:31. Hans Lindberg verwandelte den Strafwurf der Gäste, die daraufhin erneut die Führung übernahmen.
Wenige Sekunden vor Schluss traf Häfner aus dem Rückraum zum 32:32. Die Anzeigetafel zeigte noch fünf Sekunden. Nach einer Auszeit von Trainer Velimir Petkovic gelang es den Gästen trotz der wenigen Zeit noch, den Ball im Tor der Stuttgarter unterzubringen.

Somit verlor der TVB Stuttgart in allerletzter Sekunde eine sehr ausgeglichene Partie mit 32:33 gegen die Füchse Berlin.